Spitzensport ermöglicht durch die Bundeswehr

Julian

Sport ist ein schwieriges Feld. Eine Karriere als Athlet beinhaltet großen Aufwand, tägliches Training, mentale Belastung, hohe Kosten und oftmals leider geringen Lohn. Wenn man nicht Teil eines professionellen Teams ist, sind oft Sonsoren- und Preisgelder die einzige wirkliche Lohnaussicht. Doch auch dies erfordert schon Bekanntheit, hohe Beliebtheit und Leistung. Schwierig wird es vor allem dann, wenn die Erfolge über einen kurzen Zeitraum ausfallen und die Sponsoren abspringen. Oder aber wenn ein junger Sportler noch am Anfang seiner Karriere steht und noch nicht auf einen hohen Bekanntheitsgrad zurückgreifen kann. Das kann leider schnell über den zukünftigen Werdegang eines Sportlers entschieden.

Mit diesem Hintergrund haben wir von Athlet.One beschlossen, in Form dieser Serie etwas Hilfestellung zu leisten. Wir haben in unserer Menschen-Serie mit vielen Profis gesprochen und immer wieder ähnliche Geschichten gehört. Profisportler zu sein ist eine Karriere für sich, doch eine die sich selten allein finanzieren kann. Daher ist es üblicherweise nötig, neben dem Sport eine weitere Karriere auszuüben. Aber dual zwischen Sport und einem weiteren Job zu leben bringt oft eigene Schwierigkeiten und Herausforderungen mit sich.

In unseren Interviews mit Athleten haben wir bereits mit vielen gesprochen, die ihre Sportkarriere mithilfe des Sportförderprogramms der Bundeswehr finanzieren. Die Geschichten, die wir von ihnen gehört haben, haben uns dazu inspiriert, uns diese Option zur Einleitung dieser Serie einmal genauer anzusehen.

Wieder und wieder wird uns über die Bundeswehr erzählt, dass sie für viele Sportler lebensrettend war. Fabienne Deprez, ihres Zeichens professionelle Badminton-Spielerin, hat uns im Interview geschildert, wie wichtig diese Förderung für sie im genauen war.

Ohne die Bundeswehr hätte ich das finanziell nie so stemmen können. Wir sind eine Randsportart und müssen viele Reisen, die wir machen, selbst finanzieren: Hotel, Flug, Startgebühren, alles was dazugehört. Deswegen habe ich die Option genutzt, zur Bundeswehr zu gehen und mein Land zu repräsentieren.

Und ihre Beschreibung aus ihrer Zeit im Dienst Deutschlands ist sehr positiv, ebenfalls etwas, das uns häufiger zu Ohren gekommen ist.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Unterstützung bekomme. Es wird auch viel für einen gemacht. Ich kann nach meiner sportlichen Karriere, wenn ich möchte, bei der Bundeswehr bleiben und bekomme auch finanzielle Unterstützung ein paar Jahre nach meinem aktiven Ausscheiden. Es wird geschaut, dass man nachträglich gut versorgt ist mit einer beruflichen Ausbildung.

Auch Monika Sozonska, eine Profifechterin, die durch das Förderprogramm inzwischen eine Feldwebel-Position in der Bundeswehr hält, hat uns im Interview einige Erfahrungsberichte aus ihrer langen Karriere mit der Bundeswehr geschildert. Selbst wenn ihr Bericht überwiegend positiv ist, so beschreibt sie auch die Schwierigkeiten, die dieser Karrierepfad über die Jahre mit sich brachte.

“Bei der Bundeswehr ist es schon auch so, dass wir einiges militärische machen müssen, was nichts mit unserem Sport zu tun hat. Das wurde in den Jahren nun ein bisschen geändert zugunsten der Sportler. Früher musste man 2 Monate lang zu einer Grundausbildung, wo man seiner eigentlichen Aufgabe als Sportler nicht so richtig nachkommen konnte. Mittlerweile wurde diese Zeit auf höchstens 6 Wochen gekürzt. Hinzu kommt, dass man nicht automatisch, solange man Lust hat, verlängert wird. Wir Sportsoldaten müssen uns qualifizieren dafür und es gibt nur begrenzte Plätze.”
Monika Sozanska in ihrem Dienstanzug der Bundeswehr / Foto: Augusto Bizzi

Laut der Website der Bundeswehr ist das deutsche Militär einer der größten Sportförderer des Landes, mit 960 Dienstposten, worunter 18 für paralympische Athleten vorbehalten sind. Unter Sportförderern ist das zwar eine beachtliche Zahl, doch zugleich auch eine vergleichsweise geringe, wenn man bedenkt, wie viele deutsche Sportler es gibt, die finanzielle Probleme in ihrer athletischen Karriere erleben, und für die die Bundeswehr eine der wenigen realistischen Optionen ist. Wenn man dazu noch in Betracht zieht, dass in der Sportförderung zu bleiben oft alles andere als einfach ist, wird klar, dass das Programm nicht für jeden ist.

Oft richtet die Bundeswehr ihre Wahl auch nach den Berichten olympischer oder paralympischer Spitzenverbände, oder auch von Verbänden außerhalb der olympischen Klasse, was darauf hinweist, dass man ohne bisherige vorzuweisende Leistungen, keine Chancen hat, aufgenommen zu werden. Nur bei diesen Verbänden kann man als Sportler die Aufnahme in das Bundeswehr-Programm anfordern. Was dann folgt, ist eine ausführliche Begutachtung des Antrags, gefolgt von Personalplanungsgesprächen, sollte der Antrag bestätigt werden. Erst wenn man auch bei diesen beeindruckt hat, kann man hoffen aufgenommen zu werden.

Doch trotz allen potenziellen Problemen zeigt Monikas Bericht auch, dass viele der härteren Kanten des Programms mit der Zeit abgeschliffen werden. Auch die Vorteile sind nicht zu ignorieren, wie aus ihrem Bericht immer wieder hervorgeht.

“Es gab Phasen, wenn die Bundeswehr nicht da gewesen wär, wär ich vielleicht an den Punkt gekommen, wo ich mich mehr auf mein Studium konzentriert hätte und das Fechten nicht mehr so intensiv betrieben hätte.”

Monika ist Sportsoldatin, was mit gewissen Pflichten neben ihrer Rolle als Athletin kommt. Der Arbeitgeber ist letzten Endes immer noch die Bundeswehr, die in ihren Rängen gewisses Praxiswissen fordert, das über den Sport hinausgeht. So sind Feldwebel-Titel, auf die ein Sportsoldat hinarbeiten kann, zum Beispiel in der Leitung von Truppen an Kampfschwimmern, Fernspähern, Fallschirmjägern oder ähnlichen sportnahen Einheiten zu finden.

Natürlich ist ein Programm wie dieses für viele nur schwer mit der Bundeswehr zu vereinbaren. Sportler die für Olympia trainieren verbindet man nicht direkt mit dem Bild, das viele von der militärischen Organisation haben. Sogar Mitglieder der Bundeswehr haben über die Jahre das Programm aus eben diesen Gründen kritisiert, da es für einige abwegig erscheint, Sportlern, die sich nicht in Krisengebiete begeben und den eigentlichen militärischen Aufgaben nachkommen, ein Soldatengehalt zu zahlen. Natürlich ist der Spitzensport nicht die Kernmission der Bundeswehr. Doch die Erhaltung des Sports gehört im weiteren Sinne zu ihren Aufgaben, wie ihr ursprüngliches Mission Statement für das Programm erläutert. Sie ausschließlich in ihrer Position als militärische Kampfkraft zu betrachten ist zu eng gedacht.

Laut offiziellem Material der Bundeswehr ist die Förderung des Spitzensportes durch die Bundeswehr aus Sicht der Regierung teilweise dadurch legitimiert, dass Erfolge deutscher Athleten das weltweite Bild Deutschlands prägen. Das Programm existiert schon seit 1968 und ist den Zielen Deutschland bei internationalen Wettkämpfen zu repräsentieren, deutschen Spitzensportlern eine gewisse Chancengleichheit zu geben, sowie Sportlern zu ermöglichen, eine Ausbildung neben dem Sport zu machen, gewidmet.

Trotz allem kommt es seit Jahren immer wieder vor, meist nach olympischen Spielen mit vergleichsweise kleiner Ausbeute, dass der Gedanke in den Raum geworfen wird, das Programm abzuschaffen. Jedoch gelang es dem Programm trotz aller Kritik, auch mithilfe des Athleten Deutschland e.V bis heute zu bestehen, sogar erweitert zu werden, durch Verringerung der militärischen Komponente und eine kleine Steigerung der verfügbaren Positionen. Zudem ist die Kritik, dass Erfolge ausbleiben, nicht wirklich fair und eher ein Problem davon, wie viel die Leute von den Erfolgen deutscher Sportler wirklich mitbekommen. Ein weiteres aktuelles Ziel der Sportfördergruppen ist ihre Darstellung zu verbessern, was durch das Programm erreicht wird. Teilweise geschieht dies durch die Nutzung von Social Media, um besser zeigen zu können, wie viel sie im internationalen Profisport tatsächlich in Gang bringen. Und die Erfolge der Sportförderung können sich wirklich sehen lassen. Seit den ersten olympischen Spielen nach der deutschen Wiedervereinigung in 1992 haben Sportler, die zur Bundeswehr gehören, insgesamt über 269 Medaillen bei den olympischen Spielen gewonnen. Dies macht einen Prozentsatz von 45% aller deutschen Medaillen überhaupt in dieser Zeitspanne aus. Ein nicht zu vernachlässigender Teil, fast die Hälfte.

Das Training eines Sportsoldaten, gepaart mit den internationalen Erfolgen, die sie für Deutschland gewinnen, ist also auch eine Art von Dienst für das Land. Jello Krahmer, professioneller Ringer und ebenfalls Sportsoldat, fasst diese Synergie mit den Worten „Mein Dienstplan ist mein Trainingsplan” zusammen. Seit Ende 2019, als er vor dem deutschen Bundestag in einer Zeremonie vereidigt wurde, hat er sein Ringertraining am Olympiastützpunkt Heidelberg nach der Grundausbildung des Militärs fortgesetzt. Durch die Förderung der Bundeswehr kann er sich nun noch professioneller auf seinen Sport konzentrieren. Seine Leidenschaft, der Sport und seinen Beruf kann er seitdem in einem Atemzug nennen. 


Das Sportförderprogramm der Bundeswehr hat mit seinen ambitionierten Zielen seine Wichtigkeit über die Jahre bewiesen. Ein Programm der Regierung, das die Förderung von Athleten unabhängig ihrer eigenen Mittel ermöglicht, nur auf ihren Fähigkeiten basierend. Auch der Support der Paralympics, der im Programm inbegriffen ist, erlaubt einer Gruppe an Sportlern, für die einen Platz im Profisport zu finden üblicherweise mit zusätzlichen Hürden verbunden ist, eine bessere Einbindung.

Letzten Endes übernimmt aber auch die Sportförderung nicht alles. Die Finanzierungen für Training, Reisen zu Wettbewerben und ähnlichem, fallen unter den Aufgabenbereich der Spitzenverbände, bei denen man ohnehin im Voraus Mitglied sein muss. Was die Sportförderung bietet, ist eine Option das Leben im Sport mit dem außersportlichen Leben zu vereinbaren. Sie bietet Athleten die Möglichkeiten ihren Sport auf einem professionellen Niveau auszuüben, ohne unter Existenzängsten oder Mehrfachbelastungen durch einen Vollzeitjob zu leiden und dadurch international konkurrenzfähig zu sein.

Alles in allem hat die Bundeswehr vielen Sportlern ermöglicht, einen oft nahezu unmöglich wirkenden Karrierepfad zu meistern. Und mit den stetig steigenden Dienstplatz-Zahlen im Programm finden hoffentlich noch viele weitere in den nächsten Jahren ihren Platz in den Reihen der Sportförderung.