Monika Sozanska: “Ich bin alles andere als der Typ Soldat.”

Monika Sozanska: “Ich bin alles andere als der Typ Soldat.”

Wer Monika Sozanska in ihrer Fechtuniform sieht, der würde vielleicht nicht erwarten, dass es sich bei dieser athletischen Frau um einen Oberfeldwebel der Bundeswehr handelt. Das mag zum Teil auf noch immer bestehende Vorurteile gegenüber Frauen in der Armee zurückgehen, doch genauso kann man auch Vorurteile über die Aufgabenbereiche des Militärs da einrechnen. Monika Sozanska ist Sportsoldatin, und das ist bei weitem nicht alles womit man sie beschreiben kann. In ihrer Karriere hat sie schon viele Rollen getragen, zu denen sich immer mehr dazugesellen. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt, wie sie ihre faszinierende Laufbahn als polnische Immigrantin begonnen hat, wie die Bundeswehr sie in ihrem Sport unterstützt und was sie, seit einer schwerwiegenden Verletzung im letzten Jahr, jetzt vorhat.

Zu ihrer großen Leidenschaft gekommen ist die gebürtige Polin aus dem Zweck sich besser in ihrer neuen Heimat in Deutschland zu integrieren. 

“Fechten diente zuerst dazu sich besser zu integrieren. Mein Vater hatte damals eine Kooperation mit einer Grundschule. Damit ich mehr Kontakt mit deutschsprachigen Kindern bekomme, sollten ich in dieses Training mitgehen.”

Das war als Monika elf Jahre alt war. Während sie zu Beginn noch viele andere Interessen neben dem Fechten verfolgte, wie Klavier oder Tanz, übernahm der Sport immer mehr ihres Alltags. Das kam allerdings nicht von Druck durch ihren Vater, der selbst mal ein professioneller Fechter war, sondern von dem Spaß, den sie mit der Sportart verband. Es war auch dieser Fokus auf Spaß, der sie auf ein Paar interessante Pfade im Fechten brachte.

“Ich hab mit dem Florett angefangen, dann mit dem Degen weitergemacht. Da habe ich nicht drüber nachgedacht, wo ich erfolgreicher sein könnte. Von meiner Größe, meiner Statur her, würde ich eher zum Florettfechten passen. Nichtsdestotrotz hat mir das einfach mehr Spaß gemacht und bin deshalb beim Degen geblieben.”

Die meisten Degenfechter sind eher hochgewachsen, weshalb man die Waffe nicht in den Händen der eher kleineren Monika erwarten würde. Doch dieser vermeintliche Nachteil brachte sich nicht vom Aufstieg in ihrem Feld ab.

“Wie gesagt, man wächst rein. Erst mal regionale Spaßturniere, dann auf Punkte mit Ranglisten, Kreismeisterschaften, Bezirk, dann württembergische, deutsche Meisterschaften. Und dann waren die Erfolge da. Ich glaube erst mit den internationalen Wettkämpfen hat sich so ein bisschen der Ehrgeiz bei der Nationalmannschaft dabei zu sein, gemeldet.”

Und dieser Ehrgeiz zahlte sich aus. Eine Serie an immer weiter aufsteigendem Niveau brachte Monika letztendlich bis zu Olympia, wo sie sich mit den Besten der Besten messen konnte.

“Olympia hat mir unglaublich viel bedeutet, tut es im Nachhinein immer noch. Wenn ich jetzt zurückdenke, krieg ich immer noch Gänsehaut. Vor allem, weil ich mit meinem Papa teilnehmen konnte, er war damals Bundestrainer.”
Monika Sozanka im Training
Monika Sozanska und ihr Vater und Trainer Piotr Sozanski / Foto: Augusto Bizzi

Monikas Vater war die Teilnahme als aktiver Fechter, damals noch für die polnische Mannschaft, aus verschiedenen Gründen nicht möglich gewesen. Dass er in seiner Rolle als Trainer doch noch die Chance bekam, ist für Monika wichtig. Doch auch sie wäre vielleicht nie so weit gekommen, hätte sie nicht eine besondere Unterstützung bekommen für die sie immer noch dankbar ist. 

“Ich bin Sportsoldatin. Die Bundeswehr fördert und unterstützt durch dieses Programm Athleten aus den verschiedensten Sportarten, damit sie ihren Leistungssport ausführen und ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Ich bin ja eigentlich so alles andere als der Typ Soldat. Eher fast das Gegenteil. Trotzdem bin ich der Bundeswehr für alles dankbar für all die ganzen Jahre Unterstützung, ich bin mittlerweile Oberfeldwebel. Es gab Phasen, wenn die Bundeswehr nicht da gewesen wär, wär ich vielleicht an den Punkt gekommen, wo ich mich mehr auf mein Studium konzentriert hätte und das Fechten nicht mehr so intensiv betrieben hätte. Ich weiß es nicht.” 
Monika Sozanka - Foto Augusto Bizzi
Monika in ihrem Dienstanzug der Bundeswehr / Foto: Augusto Bizzi

Auch wenn die Bundeswehr verlässlicher ist als Sponsoren, ist es natürlich nicht immer einfach, die Rolle eines Sportsoldaten zu erfüllen. Gelder dieser Sportfördergruppen kommen nicht ohne Aufwand und sind nicht selbstverständlich.

“Bei der Bundeswehr ist es schon auch so, dass wir einiges militärische machen müssen, was nichts mit unserem Sport zu tun hat. Das wurde in den Jahren nun ein bisschen geändert zugunsten der Sportler. Früher musste man 2 Monate lang zu einer Grundausbildung, wo man seiner eigentlichen Aufgabe als Sportler nicht so richtig nachkommen konnte. Mittlerweile wurde diese Zeit auf höchstens 6 Wochen gekürzt. Hinzu kommt, dass man nicht automatisch, so lange man Lust hat, verlängert wird. Wir Sportsoldaten müssen uns qualifizieren dafür und es gibt nur begrenzte Plätze.”

Unter drei verschiedenen Gattungen des Fechtens, Degen, Florett und Säbel, stehen so beispielsweise für ihren Verband für die Damen und Herren 23 Plätze zur Förderung durch die Bundeswehr zu Verfügung. Einen davon hat sich seit vielen Jahren Monika Sozanska erarbeitet. Durch die Unterstützung stand sie auch schwere Zeiten in ihrer Karriere durch. Einen schweren Schlag traf die Fechterin im letzten Jahr durch eine Verletzung. 

“Ich habe mir im letzten Jahr mein Kreuzband gerissen. Bis dahin hatte ich nur einmal eine größere Verletzung die etwas langwieriger war. Eine Verletzung als Leistungssportler ist natürlich immer unpassend, aber im letzten Jahr war es kurz vor der Olympia-Quali. Also erstmal ein Schockmoment. Es hieß, dass ich mindestens ein halbes Jahr eher länger raus bin. Tatsächlich stand ich ein halbes Jahr später wieder auf der Bahn. Aber das konnte man natürlich nicht mit dem Niveau und der Dynamik von vor der Verletzung vergleichen.” 

Als Resultat der Verletzung musste Monika die Olympia-Qualifikationen aussetzen. Doch sie ließ sich davon nicht aufhalten und tat ihr Bestes um wieder fit zu werden.

“Ich wollte mich sehr schnell wieder heranfechten. Habe alles versucht und dann etwas früher in den Wettkämpfen angefangen als ich das vielleicht hätte sollen. Trotzdem hat alles gehalten. Ich konnte mich innerhalb von drei Turnieren herankämpfen an die Quote von den Mädels, die für den Weltcup antreten konnten. Jetzt kam dann aber auch Corona.”

Monika steckt aktuell nach einem eigentlich geplanten kurzen Urlaub auf Bali fest. Ein Rückflug ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen nicht möglich. Sie ist sich aber sicher, dass auch dies eine Herausforderung in ihrem Leben ist, der sie sich stellen muss. Die derzeitige Situation schätzt sie für alle Sportler sehr schwierig ein und das unabhängig davon, ob man am Anfang oder schon vor dem baldigen Ende der Karriere steht. Das heißt nicht, dass sich die 37-Jährige schon zur Ruhe setzen möchte, trotzdem sieht sie sich an dem Punkt, an dem sie sich mehr und mehr anderen Projekten widmen möchte. Bei einer davon handelt es sich um ihre eigene Schmuckkollektion MOSIKS, deren Kernstück, das Braveheart, seinen Ursprung in ihrer ursprünglichen Karriere findet.

Monika Sozanka - Fechterin aus Deutschland auf Bali
Monika sitzt aktuell auf Bali fest mit dabei immer ihr BraveHeart Schmuck (Kette und Ohrringe) /Quelle: Monika Sozanska privat


“Eigentlich liegt die Basis auch im Fechten. Ich hab das in erster Linie für mich entworfen, da man bei uns Fechterinnen wenig Schmuckstücke finden kann, die nicht irgendwie kitschig sind. Ich wollte irgendwas an mir tragen zu Anlässen, was jetzt nicht wie ein Schwert oder gotisch angehaucht aussieht, ich wollte irgendwas an mir, das mich an meinen Sport erinnert und irgendwas damit zu tun hat, aber tragbar ist.”

Sie beschrieb ihrem Goldschmied ihren Degen und welche Formen die Klinge beim Kampf schlägt, woraus eine herzförmige Silhouette hervorging. So findet ihre Passion fürs Fechten sich auch in diesem Pfad wieder. Das gleiche gilt für Monika’s anderes Projekt, “Fechtincentives”.

“Diese Fechtincentives sind quasi Crash-Kurse, die als Teambildungsmaßnahme genutzt werden können, oder als Abenteuer-Event für Kunden, um was Besonderes anzubieten. Ich bringe den Leuten in einem Schnellkurs das Fechten bei, in zwei bis drei Stunden. Am Ende kommen die Teilnehmer auch richtig zum Fechten. Mit Maske und Ausrüstung. Ich habe 2006 mit Fechtincentives angefangen und habe mittlerweile eigene Ausrüstung, für plus minus dreißig Personen. Mir macht das unglaublich Spaß. Ich kann damit den Menschen meine Sportart näher bringen und dafür begeistern.”

Monika Sozanska hat mit 37 Jahren bereits ein langes Berufsleben in der Sportwelt hinter sich und freut sich auf jede Herausforderung, die das Leben noch für sie bereithält. Ihre Geschichte zeigt, wie viel eine Verletzung im Leben eines Sportlers ausmachen kann, doch auch, dass man sich davon nicht unterbringen lassen muss. Dass sich, auch wenn es aussieht, als wäre das Leben im Sport manchmal nicht tragbar, sich doch Wege finden, zum Beispiel mithilfe der Bundeswehr. Dass man auch den Sport betreiben kann, für den man vielleicht nicht die Körpergröße hat. Ihre Geschichte zeigt aber am stärksten, dass man nie liegen bleiben sollte. Jeder Stich in die Magengrube ist eine neue Paradetechnik für den nächsten Versuch.

Instagram Kanal von Monika Sozanska:


louisa

Autor

louisa

Autorin und Mitgründerin von Athlet.one

Mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung im Spitzensport hat Louisa De Bellis den Durchblick in der Welt der Athlet:innen. Als ambitionierte Handballerin ist sie in der deutschen Sportlandschaft bestens vernetzt, führt Interviews mit Sportler:innen und teilt ihre Expertise auf Athlet.one!