Luisa Geiselsöder: Es ist eine Ehre und ein Privileg, seinen Sport als Beruf ausüben zu können.

Louisa

Luisa ist 20 Jahre alt und spielt Basketball. Nach großen Erfolgen in Deutschland und international mit der Nationalmannschaft hat sie jetzt den Sprung über den großen Teich geschafft und gehört ab nächster Saison den Dallas Wings an. Eigentlich wurde Luisa der Basketball durch ihre Familie schon in die Wiege gelegt. Trotzdem brauchte es seine Zeit, bis Luisa ihre Leidenschaft zum Ballsport entdeckte. 

Mein Bruder hat angefangen, Basketball zu spielen. Dann hat meine Schwester nachgezogen und nach langem Weigern habe ich dann mit neun Jahren auch angefangen Basketball zu spielen. Dadurch, dass ich von klein auf immer in der Halle dabei war aber nie bei meinen Geschwistern mitspielen durfte, hat es mir keinen Spaß gemacht. Ich habe in der U12 mit den Jungs angefangen Basketball zu spielen. Da war ich das einzige Mädchen und die Jungs haben entweder so harte Pässe gespielt, dass ich die nicht fangen konnte oder ich habe gar keine Pässe bekommen. Das hat mir keinen Spaß gemacht. Deswegen habe ich eine Pause gemacht und wollte eigentlich ganz aufhören. Ich habe es dann aber nochmal probiert, habe mich einfach durchgesetzt und irgendwann haben die Jungs verstanden, dass ich mit meiner Größe doch ein Vorteil für das Team sein könnte. So hat sich das alles entwickelt. 

Auch wenn die Karriere nicht so geplant war, nachdem Luisas Leidenschaft geweckt war, kannte sie kein Halten mehr. Auch wenn sie ihre Sportkarriere einmal fast an den Nagel gehängt hätte, ist sie heut umso mehr dankbar für den Weg den sie bisher gegangen ist und ihn auch weiterhin gehen wird. 

Es hat angefangen mit dem Gedanken “Ok, spiele ich halt mal ein bisschen hobbymäßig. Dann schaffe ich es vielleicht in die Regionalauswahl.” Das wäre so mein Top-Erfolg gewesen. Dann bin ich nach Schwabach gegangen und für mich hat es mit der Bayernauswahl angefangen. Dann kam eins nach dem anderen: Bayernauswahl, Nordseecup, dann war ich in der Nationalmannschaft. Das hat auch wirklich Spaß gemacht und es lief alles gut. Da dachte ich mir: “Du kannst das eigentlich echt professionell machen.” 
Aber es gab dann auch wieder Phasen, da dachte ich: “Ich weiß nicht, ob das was für mich ist. Ich konzentriere mich lieber auf meine berufliche Karriere.” Ich hatte da auch meinen ersten Freund, das war dann auch so eine Ablenkung, die auf mich zukam. Ich war mal kurz davor, mit Basketball aufzuhören, weil ich dachte, ich habe jetzt ja schon genug erreicht. Nachdem es vorbei war mit meinem Freund, habe ich gesehen, ich kann nicht einfach aufhören. Basketball ist so geil! Ich glaube, ich hätte es mein Leben lang bereut, hätte ich mit Basketball aufgehört. Ich bin echt froh, dass ich jetzt diesen Weg gehen kann. Es ist eine Ehre und ein Privileg, wenn man seinen Sport als Beruf ausüben kann. Wie viele Leute können das machen? Sport macht einfach Spaß. Basketball ist mein Leben und dafür bekomme ich jetzt Geld. Sowas zu erreichen, ist eine riesen Sache.
1,92 m groß ist die 20 Jährige Center Spielerin /Foto: Martin Fürleger

Auch wenn ihre Leidenschaft ihr Beruf ist, weiß Luisa wie wichtig eine duale Karriere ist und baut sich deshalb parallel zu ihrem Sport ein zweites Standbein auf.

Neben dem Basketball studiere ich an der Hochschule in Ansbach International Management. Der Studiengang lässt sich super mit dem Sport vereinbaren, weil es ein Spitzensportler-Studiengang ist. Während des Semesters haben wir immer zwei Präsenzphasen, was echt perfekt ist. Wir müssen eben viel selber machen, Studienarbeiten, alles selber erarbeiten, aber dadurch lässt es sich super mit Basketball vereinbaren. 

Auf einige tolle Momente kann die junge Sportlerin schon zurückschauen. Zu ihren Erfolgen zählt sie aber auch ganz persönliche Herausforderungen die sie gemeistert hat. 

Mein erstes großes Erlebnis war der Nordsee Cup. Danach hat sich für mich alles super entwickelt. Ich habe ich in der Nationalmannschaft gespielt und angefangen, mich dort zur Leistungsträgerin hinzuarbeiten. In meinem zweiten Jahr sind wir schon Vize-Europameister in der A-Division geworden. Das war bis dahin mein größte Erlebnis für mich und der erste Erfolg, den ich in meiner Karriere hatte. Dann kam im nächsten Jahr die U18 B-Division Europameisterschaft, die wir gewonnen haben und im Jahr darauf gewannen wir die A-Division. Die drei Jahre waren bisher echt die besten Jahre. Wir haben es auch geschafft uns für die Weltmeisterschaft zu qualifiziert, was noch kein einziges Jugendteam in der Form geschafft hat. Das ist ein Erlebnis, das du so nur einmal in deinem Leben haben wirst. 
Ein großer Schritt in meiner Karriere war auch, dass ich mit 16 Jahren von zu Hause ausgezogen bin. Nach Nördlingen zu gehen, erste Liga zu spielen, nebenher den Haushalt zu schmeißen und dann nebenbei auch noch zur Schule zu gehen - ich habe zwar damals mit meiner Schwester zusammen gewohnt aber es war rückblickend einer der größten persönlichen Erfolge für mich. Der Schritt zur Selbständigkeit und ihn auch wirklich gemeistert zu haben. 

Die nächste Saison wird Luisa in Frankreich spielen. Nach dem Schritt in die Französische Liga steht dann in der Saison drauf der Schritt über den großen Ozean, nach Amerika in die Profi-Liga an. 

Es ist ein sehr großer Schritt nach Dallas, weil es so weit weg ist. Aber ich glaube dadurch, dass ich schon mit 16 von zu Hause ausgezogen bin, bin ich schon relativ gut dran gewöhnt. Es wird leichter, als wenn ich direkt von zu Hause weggezogen wäre. Ich kann ja die ganze Zeit Facetimen, ich kann über WhatsApp schreiben, telefonieren, also immer in Kontakt bleiben. Natürlich werde ich meine Familie vermissen, aber in dieser Hinsicht  wird es glaube ich keine extreme Umstellung. 
Luisa gehört ab nächster Saison den Dallas Wings an. /Foto: Luisa Geiselsöder privat
Sportlich gesehen ist es auf jeden Fall ein Traum, der in Erfüllung geht. Der nächste Schritt ist jetzt das Trainigscamp, das für mich nächstes Jahr in Dallas ansteht. Dort entscheidet sich dann ob ich es ins feste Team schaffe. Ich bin auf jeden Fall schon sehr aufgeregt, wenn ich daran denke. Und dann wirklich bei einem Spiel dabei zu sein wäre dann nochmal etwas ganz anderes. Das alles zeigt mir auch, dass sich die ganze Arbeit ausgezahlt hat. Es ist eine Ehre, dass ich jetzt ein Teil der besten Frauen-Liga bin. Wirklich realisieren kann ich es noch nicht. Ich glaube das erste Mal richtig realisieren werde ich es erst, wenn ich nächstes Jahr im Trainingscamp bin oder auf dem Feld stehe.  

Bisher war der Höhepunkt der sich um die stärkste Liga im Frauen Basketball dreht für Luisa definitiv der WNBA-Draftday.

Unser Draft-Day war ganz anders wie man das von den Draft Round One Picks kennt, was medial deutlich größer aufgezogen wird. Wir haben uns Sushi daheim gemacht, haben uns dann alle ein bisschen schicker gekleidet, uns aufs Sofa gesetzt, haben den Livestream angemacht und so alles verfolgt. Es war eine einmalige Erfahrung. Ich habe am Anfang gar nicht ganz gecheckt, dass ich gedraftet wurde, weil der Name nur unten eingeblendet wurde. Meine Familie hat es als erstes wirklich gelesen und gleich kapiert. Wir waren alle glücklich und hatten den ganzen Abend ein Dauergrinsen im Gesicht. Das hat auf jeden Fall mein Leben nochmal komplett geändert. 

Und damit beginnt für die ambitionierte Athletin nochmal ein ganz anderes Kapitel in ihrer jungen aber schon sehr erfolgreichen Sportlerkarriere. Mit ihr für die Women’s National Basketball Association wurde auch Leonie Fiebich ausgewählt. Ihre ganz persönliche Geschichte rund um den Draft und ihre Leidenschaft zum Basketball könnt ihr hier auf Athlet.One lesen.