Karla Borger: „Das eigentlich Wichtige ist die Gesundheit.“

Karla Borger: „Das eigentlich Wichtige ist die Gesundheit.“

Beachvolleyballerin Karla Borger ist seit über zehn Jahren Sportsoldatin. Sie gewann die Universiade, wurde mehrfach Deutscher Meister und war schon bei den Olympischen Spielen. Doch bei all ihren Erfolgen weiß sie: es kommt auf etwas anderes an.


Karla Borger wurde der Sport quasi in die Wiege gelegt: Auch ihre Mutter Cordula Pütter spielte schon erfolgreich Beach- sowie Hallenvolleyball, wobei sie beispielsweise 1995 den Europameistertitel im Beachvolleyball holte. Doch die Mutter wollte ihren drei Kindern damit eigentlich kein Vorbild sein. “Sie hatte mir und meinen zwei Brüdern gesagt, wir sollen erstmal einen anderen Sport machen und nicht Volleyball spielen”, erinnert sich Karla. “Im Endeffekt sind wir aber alle drei beim Volleyball gelandet und ich eben beim Beach-Volleyball.”

Ganz so zielstrebig war ihr Weg zur beliebten Sandsportart aber nicht. “Für mich war nicht von Anfang an klar, dass ich Beachvolleyball spielen will”, erzählt Karla. “Ich habe sehr lange erst in der Halle gespielt.” Und das ziemlich erfolgreich. Bundesliga, Jugend- und Junioren Nationalmannschaft, sogar zur Nationalmannschaft der Erwachsenen wurde sie eingeladen. Doch dann gab es Komplikationen und sie wurde wieder ausgeladen. Beachvolleyball hatte Karla immer bereits im Hinterkopf und in dieser Zeit, als der Traum der Volleyball-Nationalmannschaft in die Ferne rückte, zog sie also einen Schlussstrich und setzte sich neue Ziele. 

“Für mich war in dem Moment klar ich spiele jetzt Beachvolleyball und ich will zu den Olympischen Spielen.”

 

Die Entscheidung der Halle den Rücken zuzukehren und zukünftig Beachvolleyball zu spielen, traf die ambitionierte Sportlerin direkt nach ihrem Abitur. Kurz darauf hatte sie bereits die Chance mit Ilka Semmler, einer sehr erfahrenen Spielerin deren Partnerin sich verletzt hatte, gleich zwei internationale Turniere zu spielen. In den darauffolgenden Jahren fokussierte Karla mit ihrer ehemaligen Partnerin Britta Büthe den Sport im Sand und begann diesen professionell auszuüben.

So sammelte sie auch außerhalb der Halle Erfahrung und diese zahlte sich aus. Karla Borger kann sich mittlerweile Studenten Weltmeisterin, Universiade-Siegerin, mehrmalige deutsche Meisterin, Vize-Weltmeisterin und Olympia-Teilnehmerin nennen. Mit der Zeit wurde auch das Umfeld immer professioneller. 

“Irgendwann hatten wir ein eigenes Management und eigene Trainer, die wir selbst bezahlt haben. Wir haben uns auf Sponsorensuche begeben und jeder Sportler baut sich so sein eigenes Unternehmen auf. Es ist schön zu sehen, wie so etwas entsteht und man Schritt für Schritt vorankommt.”


Ganz ohne jegliche Förderungen wäre dieser Weg aber nicht in der Form möglich gewesen. Denn ein herkömmlicher Beruf und Beachvolleyball sind schwer zu vereinen. Jede Menge Reisen an die verschiedensten Strände der Welt stehen im Terminkalender der Athletinnen, die durch ihren Sport ihr eigenes Unternehmen führen. An einer Fernuni ist Karla nebenher noch eingeschrieben und studiert BWL. “Sich damit aber stetig zu beschäftigen ist schwierig bei dem Trainings- und Wettkampf Pensum. Ich muss zugeben, dass ich das schon länger nicht mehr ins Auge gefasst habe.” Deshalb freut sie sich umso mehr eine durch die Bundeswehr geförderte Athletin zu sein. 

“Ich bin jetzt schon über zehn Jahre Sportsoldatin und unglaublich froh, dort angefangen zu haben. In einer Randsportart kann man sich erstmal nicht selbst finanzieren. Dazu braucht es erst einige Erfolge und Sponsoren. Durch meine Förderung hatte ich erst diese Chance.” 

Bandscheiben-Operation vor den Olympischen Spielen

Neben Höhen gab es aber auch immer wieder Tiefen. So musste sich die Beachvolleyballerin 2015 einer Bandscheibenoperation unterziehen. “Das war nicht ganz so cool, weil ich 200 Tage vor den Olympischen Spielen im Bett lag und mich nicht bewegen konnte”, erinnert sich Karla. “In solchen Momenten wird man dann auch immer geerdet und merkt, was das eigentlich Wichtige ist: die Gesundheit.” 

Doch zum Glück lief bei der Genesung, dem Aufbautraining und dem Wiedereinstieg ins Beachvolleyball alles gut. Karla war rechtzeitig wieder auf den Beinen und im Sand und konnte 2016 in Rio de Janeiro ihren Traum von Olympia verwirklichen. 

“Olympische Spiele sind natürlich das Größte, was man als Sportler erreichen kann. Darauf arbeitet man immer hin und das ist auch immer mein langfristiges Ziel.”


Im Auge hatten Karla und ihrer jetzigen Partnerin Julia Sude deshalb natürlich auch seit längerem die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo. Doch in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen die sich aufgrund der Corona-Krise durch die ganze Sportwelt zieht, ist das nicht so sicher. Bis Ende Mai sind alle Wettkämpfe und Turniere für die Beachvolleyballerinnen abgesagt. Für Karla mehr als deprimierend. “Ich weiß gerade nicht mehr, für was ich trainiere. Wir wissen ja nicht wann und wie es wieder weitergeht. Welche Ziele man wieder ins Auge fassen kann.” Trotzdem hat die heute 31-Jährige Sportlerin in ihrer Zeit im Leistungssport eines gelernt, was sie auch Anderen und das nicht nur Athleten mitgeben möchte.

“Alle Erfahrungen die man im Leistungssport macht zeigen einem doch immer wieder, dass unsere Gesundheit ganz oben steht. So ist das eben in dieser Situation auch. Nur es geht nicht nur um meine eigene Gesundheit sondern die der ganzen Welt. Ich bin aber überzeugt, dass man durch solche Herausforderungen wachsen kann und stärker wird und so will ich auch aus diesem Rückschlag, den wir eben alle einfach hinnehmen müssen, gestärkt und positiv zurückkommen.”

Karla Borger - Beach Volleyball
Karla Borger im Sand / Foto: Tom Bloch


louisa

Autor

louisa

Autorin und Mitgründerin von Athlet.one

Mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung im Spitzensport hat Louisa De Bellis den Durchblick in der Welt der Athlet:innen. Als ambitionierte Handballerin ist sie in der deutschen Sportlandschaft bestens vernetzt, führt Interviews mit Sportler:innen und teilt ihre Expertise auf Athlet.one!