Laura Nolte: “Ein Sportler, der noch nie Misserfolg hatte, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein können.”

Louisa

Die Karriere als Sportler ist für niemanden perfekt. Es gibt nahezu keinen Sportler auf der Welt, der nicht mit Niederlagen, unvorhergesehenen Konsequenzen oder einfach mit Verletzungen zu kämpfen hat, die die Karriere ins Schleudern bringen können. Auf den Sieg hin zu arbeiten ist genauso Teil des Alltags eines Athleten, wie zu lernen, Rückschläge zu verkraften. Die junge Bobfahrerin Laura Nolte berichtet uns von dem Druck, den das Sportlerleben mit sich bringt, in Sieg wie in Niederlage, und wie sie mit der Hilfe eines Sportpsychologen stetig arbeitet damit umzugehen. Laura’s Karriere im Sport ist selbst eine Sammlung unvorhergesehener Ereignisse. So begann sie zum Beispiel nicht mit dem Bobsport, sondern mit Leichtathletik.

“Ich habe Leichtathletik in Dortmund trainiert. An unserem Trainingsort war auch eine Bobgruppe und mein Trainer und ich kannten einige von ihnen. Eher aus Spaß haben die Bobsportler immer gesagt: “Ja komm doch mal mit.” Im Sommer 2015 hat mich dann die Bobfahrerin Anna Köhler gefragt, ob ich nicht mal nach Winterberg mitkommen will. Dann bin ich einfach mal mitgefahren und es hat mir total viel Spaß gemacht.”

Im selben Jahr in der Saison 2015/2016 fing Laura dann mit dem Bobsport an. Schon kurz nach ihrem Auftakt in ihrem neuen Sport gelang ihr jedoch ein erstaunlicher Durchbruch.

“Ich konnte direkt 2016 meinen ersten riesengroßen Erfolg feiern. Ich gewann die Jugendolympiade, was ziemlich überraschend für mich war. Danach stand eigentlich für mich fest, dass ich nicht mehr in die Leichtathletik zurück möchte, sondern beim Bobfahren bleiben. In der Saison danach bin ich vom Monobob in den Zweierbob umgestiegen, was auch alle Senioren fahren.”
Laura Nolte bei ihrem deutschen Meistertitel in Altenberg/ Foto: Viesturs Lācis

Der Zweierbob gilt unter den beiden Variationen der Disziplin als die fortgeschrittenere Variante. Und mit ihrer neuen Partnerin, mit der sie den Zweierbob teilt, wurde sie schnell zu einer exzellenten Pilotin, nachdem sie eine Saison Auszeit genommen und sich auf die Studie der deutschen Eiskanäle konzentriert hatte. So kam es, nach einigen Podestplätzen beim Europacup, dem U23 Juniorenweltmeistertitel und dem deutschen Meistertitel gemeinsam mit ihrer Anschieberin Deborah Levi nach nicht allzu langer Zeit zum großen Durchbruch: Der Teilnahme beim Weltcup.

“Die erste Weltcup-Saison hätte besser nicht laufen können, es war phänomenal. Mein allererster Weltcup war in Winterberg, das ist auch noch meine Heimbahn, und besonders dort war ich dann ziemlich nervös die ganze Woche über. Schon vor den Trainings konnte ich nicht einschlafen. Bei dem Wettkampf genauso. Im ersten Rennen haben wir dann den 3. Platz gemacht, das war echt cool. Und dann waren wir in einem Lauf.”
Laura Nolte und ihre Anschieberin / Foto: Viesturs Lācis

Der nächste Wettkampf fand in Frankreich statt, und auch wenn das Training dort nicht direkt die erwünschten Resultate erbrachte, endete das tatsächliche Rennen im ersten Weltcup-Sieg des Teams, ein erstaunlicher Erfolg beim gerade mal 2. Weltcup. Nach einigen weiteren hohen Platzierungen qualifizierte sich Laura erstmals für die Weltmeisterschaft. Doch leider lief das nicht ganz nach Plan als ihre Anschieberin Deborah Levi, die schon früher im Weltcup krank geworden war, mit Fieber und Schüttelfrost abreisen musste. Nach Schwierigkeiten sich kurzfristig für einen neuen Partner zu entscheiden und einem schweren Sturz im zweiten Lauf war die Weltmeisterschaft für Laura gelaufen. Und das im Nachhinein laut Laura mehr psychisch als körperlich. Sich aus einem sollten Tief zu kämpfen ist nicht einfach. Doch die junge Athletin berichtet uns, wie ihr diese Flucht aus dem emotionalen Tief gelang.

“Nach der WM hat es ein wenig gedauert zu der Einsicht zu kommen. Viele haben versucht mich aufzumuntern. “Du bist ja noch jung, es kommen noch so viele WMs, du hast noch so viel vor dir, es gehört alles dazu,” und ich dachte nur, “Ne, das möchte ich nicht hören, so sehe ich das überhaupt nicht, ich sehe nur jetzt den Moment, dass ich gescheitert bin.”
Am Anfang war der Moment des Scheiterns erstmal sehr präsent, ich war niedergeschlagen und es hat etwas gedauert. In der Woche danach bin ich zu meinem Sportpsychologen. Wir haben die komplette WM-Woche nochmal zusammen aufgearbeitet.

Der Sportpsychologe, mit dem Laura schon ein Jahr lang arbeitet und zu dem sie über ihren lokalen Olympiastützpunkt kam, half ihr in dieser Zeit eine gesündere Perspektive auf die vergangene Weltcup-Saison zu gewinnen.

“Wir haben am Ende ein Gesamtresümee der Saison gezogen, das hat mir dann auch gezeigt, dass die ganze Saison eigentlich überragend war. Viel besser als ich mir vorgenommen oder erwartet hatte. Das hat mir dann nochmal gezeigt: “Ja, der Saisonhöhepunkt ist misslungen, aber der Rest war so gut, du hast so viele Erwartungen übertreffen können, die Zukunft sieht vielversprechend aus”.
Ich finde die Arbeit mit einem Sportpsychologen sehr wichtig. Man kann noch so viel trainieren, aber wenn das Mindset nicht stimmt, dann bringt einem das alles nichts. Es liegt ein hoher Druck, den man sich natürlich auch selbst macht auf einem seine Leistung auf den Punkt abzurufen. Grade in der Sportart des Bobfahrens ist das enorm wichtig. Beim Bobfahren an sich muss man sich sehr konzentrieren, es kann in einem kleinen Moment viel schiefgehen. Auf dem Piloten, also in dem Fall mir, lastet auch viel Verantwortung. Man hat ja noch seinen Anschieber hinter sich sitzen, für den man mitverantwortlich ist. Und wenn wir stürzen, kann sie ja gar nichts dafür, das ist ja alleine meine Verantwortung. Generell im Leistungssport ist es super wichtig zu lernen mit Druck umzugehen.”
Laura: "Die mentale Stärke enorm wichtig im Sport." /Foto: Viesturs Lācis

Mithilfe ihres Sportpsychologen hat Laura ein gesünderes Mantra für Niederlagen im Sport entwickelt und sieht ihren Fehlschlag im Finale jetzt in einem positiveren Licht.

“Ein Sportler, der noch nie Misserfolg gehabt hat, der wird auch nie auf Dauer erfolgreich sein können oder nimmt den Erfolg ganz anders wahr. Deshalb bin ich rückblickend ganz froh, dass sowas mal passiert ist. Bisher ist mir vom Gefühl her auch relativ viel einfach gefallen, und da wurde ich jetzt mal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sowas kann auch immer mal ganz gut tun.”

Neben dem Sport ist Laura heute Teil des Sportsoldaten-Programms der Bundeswehr und besucht eine Universität, wo sie mit Wirtschaftspsychologie ebenfalls in die Richtung der Psychologie geht. Während es für viele schwierig sein kann den Sport mit dem Studium zu vereinbaren, gelang es ihr bisher ohne größere Umstände.

“Sport und Studium lassen sich für mich eigentlich ganz gut vereinbaren. Ich mache kein Fernstudium, sondern ein ganz normales Präsenzstudium in Bochum an der Uni. Ich habe ja während meiner Schulzeit schon Bobfahren gemacht hab. Ich kenne das also schon eigenständig den Stoff nachzuholen, den ich verpasse wenn ich mit dem Bobfahren unterwegs bin.”

Auch wenn sie im Winter während der Höhepunkte der Wintersport-Saison nicht in die Uni kommt, kann sie im Selbststudium den fehlenden Stoff aufholen. Und neben dem Abschluss zielt Laura, wie so viele Sportler heute, auf Olympia, mit den Winterspielen 2022 als großem Ziel in der nahen Zukunft. Mit aktivem Training, gesundem Management von Körper und Geist und einer sauberen Teilung zwischen Uni-Leben und Sport sieht die Zukunft für Laura gut aus.

Foto Startseite: Viesturs Lācis