Alexandra Ndolo: “Auf meinem Trikot steht nicht nur mein Name, sondern auch Deutschland und darauf bin ich stolz.”

Louisa

Fechten ist ein Sport, von dem die meisten wohl zumindest ein schwaches Verständnis haben, auch wenn sie noch nie einen echten Fechtkampf beobachten konnten. Film und Fernsehen haben uns ein Bild von Fechtern in ihren ikonischen Uniformen und Gesichtsmasken präsentiert, das wegen seiner großen Verbreitung wohl jeder einmal gesehen hat. Leider gilt echten Fechtern und ihren Kämpfen nicht dieselbe Aufmerksamkeit, die die Medien Schauspielern entgegenbringen, die die Disziplin in irgendwelchen Filmen nachstellen. Alexandra Ndolo ist eine dieser echten Fechterinnen, die von den weiteren Sportmedien nicht die Anerkennung bekommen, die auch ihre Disziplin verdient. Das würde sie gerne ändern. Sie selbst begann ihren sportlichen Werdegang nicht beim Fechten, sondern musste ihre große Liebe zu ihrem Degen noch finden. 

“Ich bin über Umwege zum Fechten gekommen. Sport war schon immer ein großer Teil meines Lebens. Mit vier Jahren habe ich mit der Leichtathletik begonnen, mit zehn Jahren mit dem modernen Fünfkampf. Wodurch ich auch das erste mal in Kontakt mit dem Fechten gekommen bin. Nach dem Abitur habe ich mich dann auf das Fechten spezialisiert. Es war und ist meine Lieblingsdisziplin im Fünfkampf.”

Beim modernen Fünfkampf handelt es sich um einen Mehrkampf, bei dem Athleten in verschiedenen Einzeldisziplinen gegeneinander antreten. Neben Fechten finden sich hier auch Pistolenschießen, Schwimmen, Springreiten und Querfeldeinlauf (Wir hatten auch schon eine moderne Fünfkämpferin im Interview. Den Artikel über Janine Kohlmann findet ihr hier). Obwohl Alexandra in all diesen Disziplinen professionelles Training betrieb, hat sich Fechten als ihre liebste herauskristallisiert.

Foto: Felix Strosetzki
“Das Besondere am Fechten ist für mich die Kombination aus Dynamik und Präzision, die Tatsache, dass man in Bruchteilen von Sekunden taktische Entscheidungen treffen muss und sich immer wieder neu auf den Gegner einstellen muss. Kein Gefecht ist wie das andere, es wird nie langweilig.”

Alexandras Vater stammt ursprünglich aus Kenia, einem Land in dem noch weniger Aufmerksamkeit dem professionellen Fechtsport gilt als es leider in Deutschland schon der Fall ist. Alexandra sieht es als ihre Aufgabe, das zu ändern und hat im Zuge dessen den kenianischen Fechtverband mitgegründet. Mittlerweile hat dieser sogar seinen Platz im Welt-Fechtverband eingenommen.

“Die Bekanntmachung und Verbreitung des Fechtsports in Kenia ist meine Herzensangelegenheit. Es macht mich wahnsinnig stolz dieses Projekt wachsen zu sehen und ich möchte so vielen jungen Menschen in Kenia wie möglich den Zugang zum Fechten ermöglichen. Mir hat der Sport so viel gegeben und ermöglicht, mit diesem Projekt kann und möchte ich etwas zurückgeben.”

Ihrem Sport ein größeres Publikum und somit auch mehr neue Athleten zu verschaffen, die sonst gar nicht erst an den Sport gedacht hätten, ist für Alexandra ein großes Ziel. Das gilt sowohl in Kenia als auch hier in Deutschland. Auch hierzulande sind bis auf während der Olympischen Spiele die Übertragungen von Fechtwettkämpfen eher selten. Es ist nun einmal so, dass sich die Sportmedien in den meisten Ländern nur auf spezielle kleine Gruppen an Disziplinen konzentrieren. Die anderen Sportarten fallen dabei leider weit zurück. 

“Wie es zu diesem Fokus auf einzelne wenige Sportarten gekommen ist weiß ich nicht genau. Fakt ist aber, dass es eine verpasste Chance ist. Viele Menschen haben ein Interesse an mehr als nur den Sportarten die gezeigt werden und würden öfter Sport live mitverfolgen, das zeigen die Einschaltquoten während den Olympischen Spielen und wurde mir auch immer wieder persönlich in Gesprächen bestätigt. Viel zu oft musste ich Menschen, die total begeistert von meinem Sport waren, sagen, dass sie meine Wettkämpfe nur alle ein paar Jahre live im Fernsehen mitverfolgen können. Dann wenn durch Olympia auch andere Sportarten mal wieder die Aufmerksamkeit geschenkt bekommen. 
Foto: Felix Strosetzki
Eine vermehrte mediale Aufmerksamkeit würde es vielen Athleten erleichtern sich durch ihren Sport zu finanzieren und man hätte durch die Anerkennung in der Gesellschaft das Gefühl diese vielen Siege nicht nur für sich, sondern für die deutsche Allgemeinheit zu erkämpfen. Auf meinem Trikot steht ja schließlich nicht nur mein Nachname, sondern auch GER und darauf bin ich stolz.”

Neben diesen langfristigen Zielen und Wünschen für die Sportwelt und dessen Präsenz in Medien und der Öffentlichkeit hat Alexandra aber auch persönliche Pläne für die nähere Zukunft, allen voran den einen Traum, der so gut wie jeden Athleten durch die Karriere begleitet: Olympia. Diesem Traum wurde natürlich ein Stein in den Weg gelegt, da die Spiele dieses Jahr verschoben werden mussten. Doch verschoben heißt nicht abgesagt, weswegen Alexandra neben ihren weiter gefächerten Zielen bei internationalen Events die olympischen Spiele nicht aufgibt. Was eine Pandemie wie diese, die viele Sportevents nahezu unmöglich macht (Auch die für Maskenträger wie Fechten) zeigt ist, dass Sport für Sportler allein nicht immer ausreicht. Glücklicherweise hat Alexandra sich auch andere Optionen offen gehalten, in einem Feld, das aktuell nur relevanter wird.

“Nach dem Abitur wollte ich ursprünglich Medizin studieren und habe zur Vorbereitung darauf und um die Zeit der Wartesemester zu überbrücken die Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin gemacht. Die Ausbildung war sehr interessant und hat mir viel Spaß gemacht, gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass ich das Thema Medizin nicht weiter vertiefen möchte und daher ein Medizinstudium nicht mehr in Frage kam. Jetzt studiere ich Wirtschaftspsychologie und bin Sportsoldatin, was sich gut mit der aktiven Sportkarriere verbinden lässt. Aber als Sportler ist es definitiv wichtig sich ein zweites Standbein aufzubauen und für die Zeit nach der Sportkarriere vorzusorgen.”
Foto: Felix Strosetzki

Der nächsten Generation an Athleten bessere Optionen zu geben, als sie sie hatte, ist für Alexandra sehr wichtig. Neben der Voraussicht, sich für ein Leben nach dem Sport gut aufzustellen, hat sie noch weitere Lektionen zu teilen.

“Den Athleten, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, würde ich sagen, dass sie sich auf ihr Bauchgefühl verlassen sollten, viel Geduld mitbringen müssen und an schwierigen Tagen versuchen sollen sich daran zu erinnern, warum sie mit dem Sport begonnen haben. Jeder hat schwierige Tage, das ist ganz normal und gehört dazu.”

Alexandra tut ihr bestes, um dem Fechten in Deutschland sowie Kenia ein größeres Publikum zu verschaffen, sowohl für größere Präsenz in der Öffentlichkeit, als auch für die nächste Generation an Athleten.