Phillip Trenkler (26) - “Von einem auf den anderen Tag war da einfach nichts mehr”

Louisa

Vor zwei Jahren entschied er sich aus gesundheitlichen Gründen, mit erst 25 Jahren seine professionelle Karriere im Volleyball zu beenden. Heute erzählt uns der angehende Psychologe seine Geschichte. 


“Meine Karriere startete 2004 in Rottenburg. Schon damals war Rottenburg bekannt für seine Jugendmannschaften. Wir gewannen mehrfach die Württembergische und die Süddeutsche Meisterschaft und nahmen an mehreren deutschen Meisterschaften teil. Ein persönlicher Erfolg für mich war der dritte Platz bei einer Deutschen Meisterschaft in meiner Heimatstadt. Mit 14 Jahren wurde ich Mitglied im Württembergischen Auswahl-Kader und später im Baden-Württemberg-Kader. Daraufhin bekam ich bald ein Angebot von einem Sportinternat in Friedrichshafen. Dies lehnte ich jedoch ab, da ich mein Abitur in Rottenburg abschließen wollte. Durch erfolgreiche Turniere mit meiner Auswahlmannschaft auf Bundesebene, schaffte ich mit 16 Jahren direkt den Sprung in die Auswahl der Jugend- Nationalmannschaft. Mit diesem Team spielte ich auf internationaler Ebene und durfte an zwei Europameisterschaften teilnehmen. 2012 absolvierte ich mein Abitur in Rottenburg und wurde direkt danach zur Junioren-Nationalmannschaft nach Berlin berufen. Dort trainierte ich mit anderen Top-Spielern meines Jahrgangs gemeinsam für die Qualifikation der Weltmeisterschaft. Ich muss ehrlich sagen, die Zeit in Berlin war mega. Da ich mein Abitur schon hatte und das Training von einem Internat ausging konnte ich die ganze Zeit trainieren. Ich hatte sozusagen nur Volleyball im Kopf. Mit meinen jungen 18 Jahren war es für mich auch total aufregend in der Hauptstadt zu leben. Rottenburg ist im Vergleich zu Berlin schon recht “klein” und so eine Großstadt wie Berlin ist da hingegen schon echt beeindruckend. In Berlin spielte ich in der ersten Bundesliga und natürlich präsentiert man sich auch immer selbst während den Spielen. In dieser Saison wurde ich dann von einem Verein nahe Leipzig gesichtet. Das Team wurde von meinem Trainer der Junioren-Nationalmannschaft trainiert. In diesem Verein bekam ich auch meinen ersten Profivertrag. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann nichts nebenher gemacht. Mein Hauptberuf war Volleyball, wodurch ich auch mein Leben finanziert habe. 

Nach meiner zweiten Saison als Vollprofi wurde ich in die A-Nationalmannschaft berufen, was für mich ein weiterer Erfolg auf meinem Weg darstellt. Gemeinsam mit dem Team, trainierte ich für die European Games in Aserbaidschan. Leider verletzte ich mich bei einem Lehrgang so sehr am Rücken, dass die Vorbereitung mit der Nationalmannschaft für mich beendet war. Das war für mich unglaublich schlimm und bitter, da mein ganzes Leben auf den Sport ausgerichtet war. Schon damals zu der Zeit in Leipzig sendete mir mein Körper immer wieder Signale, aber die Knieschmerzen, Oberschenkelprobleme und Co. konnte man immer irgendwie behandeln.


Mit meiner Rückenverletzung musste ich aber nach und nach realisieren, dass ich nicht für immer nur Volleyball spielen konnte. 


Nach einer weiteren Profi-Saison bei einem Erstligisten in der Nähe von München, ging es für mich zurück nach Rottenburg um neben dem Volleyball ein Studium zu beginnen. Ich entschied mich dafür Psychologie zu studieren, da mir in meinen Jahren als aktiver Spieler immer wieder bei der Arbeit mit Sportpsychologen bewusst wurde, wie wichtig auch die mentale Stärke für Profisportler ist. Ich denke viele Spitzensportler würden mir da zustimmen: Im Training läuft alles gut, alle sind gut drauf und entspannt. Auf dem Feld hingegen ist es dann unruhiger. Zuschauer, Sponsoren und Auswahltrainer sind in der Halle. Auf einmal liegt ein extremer Druck auf uns Spielern. Genau da können Sportpsychologen helfen! 

In Tübingen konnte ich weiterhin Volleyball in der Ersten Liga spielen und gleichzeitig studieren. Vor allem die Unterstützung und das Verständnis von meinem Verein und besonders auch den Trainern ermöglichten es mir, den Fokus auch auf mein Studium zu legen, ohne mein Training vernachlässigen zu müssen. Auch für die Sportler-Förderung an der Universität Tübingen und speziell für meine Spitzensportler-Betreuerin war ich unglaublich dankbar. Sie ermöglichen Athleten der verschiedensten Sportarten eine universitäre Ausbildung und so ein zweites Standbein neben dem Leistungssport. Wie wichtig das für Sportler sein kann, musste ich leider kurze Zeit später selbst erfahren. 

Im ersten Jahr lief also alles super mit dem Studium und dem Volleyball und vor allem auch meinem Rücken. In der zweiten Saison jedoch wurde mein Rücken schlimmer. Ende 2017 dann die schockierende Diagnose vom Arzt. Zwei Stellen meiner Wirbelsäule waren gebrochen und sind nie richtig verheilt. Der Arzt meinte, dass es meine Entscheidung war weiter zu machen oder aufzuhören. Jedoch konnte mir niemand garantieren, ob es gut oder schlecht ausgehen würde. Ich entschied mich schweren Herzens und nach langer Überlegung dazu mit dem Leistungssport mit gerade erst 25 Jahren aufzuhören. 


Es war mitten in der Saison, ich konnte mich nicht darauf vorbereiten, dass es jetzt einfach zu Ende war. Um ehrlich zu sein war das wirklich eine sehr harte Zeit für mich. 


Ich bin danach weiterhin zu den Spielen gegangen um meinem Team zuzuschauen, aber das Spiel nur zu sehen und nicht mehr mitspielen zu können war unglaublich schwer. Vor allem trainierte ich damals zehnmal die Woche, dazu kamen natürlich noch Heimspiele und Spiele für die wir mal kurz nach Hamburg gefahren sind. Von einem auf den anderen Tag war da dann einfach nichts mehr. Ich hatte auf einmal unglaublich viel Freizeit und ich wusste nicht was ich mit ihr anfangen sollte. Damit musste ich erstmal lernen umzugehen und das hat einige Zeit gebraucht. Aber ich gewöhnte mich daran und heute bin ich ehrlich - mein Studium hätte ich nie in dem Tempo durchlaufen können, wenn ich weiterhin mein normales Trainingspensum absolviert hätte. 

Mit genügend Abstand gehe ich jetzt auch wieder gerne bei Volleyballspielen zuschauen und ich habe auch den Kontakt zu einigen Mitspielerin bis heute nicht verloren. Ich denke gerne an all die Zeit in dem der Volleyball mein Leben bestimmt hat zurück. Auch wenn man dabei auf einiges verzichtet hat, gibt einem der Leistungssport so viel zurück. Die tollen Erfahrungen und Freundschaften würde ich zu keinem Preis hergeben wollen. Auch für die ganze Unterstützung die ich von meiner Familie und meiner Freundin während all den Jahren erfahren habe, bin ich unglaublich dankbar.  

Jetzt 2 Jahre später denke ich immer noch, dass es die richtige Entscheidung war auf meinen Körper zu hören und es zählt für mich immer noch eine Sache am meisten: "Meine Gesundheit steht vor meinem Erfolg.”

Foto: Ralph Kunze