Zwischen Herausforderungen und Möglichkeiten: Sportler erzählen von der Zeit während der Pandemie. 

Louisa

Es gibt keine Industrie auf der Welt, die nicht zu irgendeinem Grad von der Corona-Krise verändert wurde. Die Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit Covid-19 haben internationale Geschäftszweige blockiert. Manche Firmen können das verkraften, besonders die größeren, die Geld zurücklegen und Hilfe von der Regierung anfordern können. Für kleine Unternehmen dagegen sieht die Situation deutlich ungewisser aus. Für die meisten Profisportler hieß und heißt die aktuelle Krise schlicht und einfach, dass sie ihre Karriere pausieren müssen. Stadien blieben für lange Zeit geschlossen. Wer einen Sport betreibt, den man zu Hause nicht ohne Weiteres alleine ausüben konnte, der musste sich oft auch vom Training verabschieden und stattdessen mit Home Workouts über Wasser halten.
Natürlich kommt das mit einer gewissen Existenzangst einher, doch heißt die Krise auch nicht, dass man Struktur generell abschreiben muss. In dieser Krise sind neben den Herausforderungen auch neue Möglichkeiten und Gemeinschaften von Sportlern entstanden. 

Wir haben über unsere Interview-Serie mit Athleten der verschiedensten Sportarten die letzten Monate viel gehört, wie die Sportler mit dieser Situation umgehen. Für manche ist die Krise nicht viel mehr als eine Pause gewesen, oder eine Gelegenheit, von einer harten Wintersportsaison etwas herunterzukommen, während andere, die sehr viel Hoffnung in die aktuelle Saison gesetzt hatten, um das Ende ihrer Karriere fürchten mussten. Einige Erfahrungen von dem direkten Shutdown bis hin zu der Rückkehr in einen möglichst normalen Alltag haben wir euch in diesem Artikel einmal zusammengetragen. 

So berichtete Luca Schneider in einem unserer Interviews zum Beispiel davon, wie er als Segler nicht nur das Training von Mallorca nach Kiel verlegen musste, sondern dass das Training lange Zeit auch nicht mehr auf dem Wasser stattfinden durfte. Für Segler ist jedoch natürlich das Training auf dem Wasser das elementar Wichtige. Übergangsweise hat das Team aber Optionen gefunden, sich an Land körperlich fit zu halten.


Die Fechterin Monika Sozanska steckt dagegen bereits seit Monaten auf Bali fest. Ein Rückflug ist lange Zeit unter der momentanen Situation unmöglich gewesen. Sie macht jedoch das beste daraus, da einige Übungen auch ohne Gegner und trotz dem Einfluss enormer Hitze zumindest im frühen Morgen und späten Abend auch dort möglich sind. Ihre Lage ist nicht einzigartig, viele Reisende steckten über Wochen und Monate fern von zu Hause fest. Auch wenn das Land zu verlassen ihnen nicht gesetzlich verboten ist, so ist es doch oft mehr Gefahr als es wert zu sein erscheint.

Des Weiteren hören wir manche Geschichten immer wieder. Die aktuelle Saison wurde abgebrochen. Die Siegesserie kann nicht fortgesetzt werden. Eine Chance auf Olympia wirkt verloren, auch wenn das Großereignis verschoben, nicht abgesagt ist. Wir hören mehr und mehr Geschichten von Abbrüchen und Hoffnungsverlust, doch auch von Optimismus und Durchhaltevermögen. Zeiten wie diese zeigen wie viel wir als selbstverständlich angenommen hatten.

Dabei sind die Athleten, mit denen wir gesprochen haben, bei weitem nicht die einzigen, denen diese Situation schwer auf der Seele liegt. In einem Interview mit Marion Sulprizio, einer professionellen Sportpsychologin, berichtet sie darüber, dass neben dem finanziellen Druck auch der Mangel allgemeiner sozialer Elemente in Zeiten wie diesen enormen Druck auf Sportler ausüben. Neben größeren Ängsten ist selbst für Freizeitsportler oft der Teamgeist in vielen Sportarten, eine zentrale soziale Komponente, die zur aktuellen Zeit überwiegend bis komplett ausbleibt.

Sportpsychologen, die eine allgemein wichtige Rolle in einer körperlich wie mental anstrengenden Welt, wie der des Sports spielen, nehmen in einer solchen Ausnahmesituation eine noch wichtigere Rolle ein. Dabei kommen Ängste zum Vorschein, mit denen Sportler in dieser Situation konfrontiert werden, gepaart mit Furcht vor potenziellen Nebeneffekten für den Sportalltag, sollte es zur Infektion kommen. Viele Sporttherapeuten sind in dieser Zeit zu Online-Sitzungen übergegangen, um Athleten besser durch diese Zeit begleiten zu können. Unter anderem haben sie ihre Sportlern auch empfohlen weiterhin mit ihren Teams in virtuellem Kontakt zu bleiben, um Isolationsgefühle zu verringern.

Für manche ist die Situation auch eine Chance, etwas Neues auszuprobieren, ein neues Hobby, oder ein neues Talent, oder einfach mehr Fokus auf die Familie zu legen als sonst. Manche stark im Fokus der Öffentlichkeit stehende Athleten nutzen die Krise zudem um mit ihrer Plattform Gutes zu tun, wie zum Beispiel Joshua Kimmich und Leon Goretzka vom deutschen Fußballnationalteam, die mit der “We kick Corona”-Initiative über Social Media ihr Bestes unternommen haben, Leuten durch diese harte Zeit zu helfen.

In der Fußball Bundesliga rollt der Ball mittlerweile wieder und auch in anderen Sportarten geht es langsam zumindest in Richtung Trainingsalltag. Vollkontakt Sportarten mussten dagegen lange Zeit auf das Startsignal um in ihren normalen Trainingsbetrieb zurückzukehren warten. Annalena Bauer, erfolgreiche Athletin im Ju Jutsu erzählt uns ganz aktuell im Juni davon, dass sie und ihre Teamkollegen erst seit dieser Woche in das Mattentraining einsteigen konnten. Seit Monaten spielt sich das individuelle Training online, im Kraftraum und auf Trimm-Dich-Pfaden ab. Sie selbst kehrt gerade von einer schweren Knieverletzung zurück. Während dem Shutdown im März war sie in einer Rehaklinik und konnte die Zeit sozusagen gut nutzen um ihren Körper fit zu bekommen. Auf die Matte kann sie sowieso erst jetzt nach der Freigabe für das Vollkontakt Training wieder.

Karla Borger hingegen steht bereits seit ein paar Tagen wieder im Sand. Die Beachvolleyballerin spielt in einem Interim Team mit Svenja Müller in Düsseldorf bei der Beach- Liga 2020. Bei dem Turnier handelt es sich um eine Eigeninitiative von SportlerInnen. Von dem 13. Juni bis zum 12. Juli treten die Damen und Herren Teams von Woche zu Woche abwechselnd an. Zwei Spiele sind pro Tag angesetzt. Für die Sportler eine Möglichkeit in Deutschland auf hohem Niveau die ausgefallenen internationalen Turniere möglichst gut zu kompensieren. 

Karla selbst sah während manche noch auf das Stattfinden der Olympischen Spiele hofften, bereits früh die Spiele in diesem Jahr nicht stattfinden. Zu Beginn der Einschränkungen im März haben wir ihr im Interview die Frage gestellt wie sie als Sportlerin diese Situation erlebt. 

“Im Grunde geht es uns Sportlern genauso wie allen in der Arbeitswelt. Wir arbeiten seit langem auf bestimmte Ziele hin und eine solche Situation verändert natürlich alles. Trotzdem denke ich, dass gerade wir Sportler als Vorbild vorangehen sollten. Verantwortung übernehmen und zu hause bleiben. Ich und mein Team wir werden uns daran halten. Unser Training ist erstmal auf Eis gelegt. Mal schauen, was wir zu Hause machen können oder ob es in den nächsten Tagen zu Sonderregelungen kommt und wir alleine in den Kraftraum können.”

Damals war die ambitionierte Sportlerin noch etwas skeptisch was anstehende Turniere anging. Zwischen den ganzen abgesagten internationalen Turnieren fehlten die kurzfristigen Ziele.

“Ich weiß gerade nicht mehr, für was ich trainiere. Wir wissen ja nicht wann und wie es wieder weitergeht. Welche Ziele man wieder ins Auge fassen kann.”

Dass sie heute schon wieder im Sand stehen würde, hatte sie vermutlich zu dem Zeitpunkt des Interviews nicht ahnen können. Mit bisher nur drei Satzverlusten stehen ihre Teamkollegin und sie derzeit in der Beach-Liga auf dem 2. Platz. Es ist schön zu sehen, dass aus Notsituationen neue Ideen entstehen und Möglichkeiten geschaffen werden. Wir wünschen Karla viel Erfolg im weiteren Liga-Verlauf und allen anderen SportlerInnen ein baldiges Einsteigen in einen normalen Trainings- und Wettkampf Alltag.