Spitzensport ermöglicht durch die Polizei

Julian

Die Welt des Profisports ist vielfältig. Das findet sich in jedem ihrer Aspekte wieder, seien es die Athleten selbst, oder die Sportarten, die nicht nur in ihrer Ausübung, sondern auch in den Fähigkeiten, die ein Sportler benötigt, sehr verschieden sind. Dieselbe Vielfalt findet sich auch in den Optionen wieder, die einem Athleten zur Gestaltung seiner Karriere geboten sind. Das ist oft nicht einfach, besonders da der Sport eine Karriere ist, die für die meisten nicht ewig währt und für viele trotz dem enormen Aufwand nicht genug zur Finanzierung des Lebensunterhalts abwirft. Da Sport üblicherweise ein hohes Maß an körperlichen Fähigkeiten erfordert, ist der aktiven Leistungssportkarriere ein zeitliches Ende gesetzt.

Wir haben bereits über die Förderung von Athleten durch die Bundeswehr berichtet "Spitzensport ermöglicht durch die Bundeswehr", doch ist das nicht der einzige Weg, der Sportlern offen steht. Die Bundespolizei sowie die Polizei der Länder bieten ähnliche Programme zur Unterstützung des deutschen Leistungssports. Wir haben über die letzten Monate viele Interviews mit Athleten geführt und dort von einigen gehört, die sich für diese Programme entschieden haben. Ihre Antworten darauf, was sie dazu bewegt hat, und wie sie diese Karriere wahrnehmen, hat uns zu diesem Artikel bewegt, der als Einführung in das Sportförderprogramm der Bundespolizei und der Landespolizeien dienen soll.

Seit 1978, als die ersten deutschen Sportpolizeischulen staatlich anerkannt wurden, folgt das Sportförderprogramm der Polizei einem Modell, das dem der Bundeswehr ähnelt. Trotzdem gibt es auch einige Unterschiede die zu berücksichtigen sind. So ist das System der Polizei deutlich dual aufgebaut und schafft damit eine Trennung zwischen Sport und Polizeidienst.

Dadurch wird auch ein Problem adressiert, für das viele Sportförderungsprogramme immer wieder Kritik ernten: Die mangelnde Vorbereitung auf ein Leben nach der Förderung oder nach dem Sport. Zwar fördert auch das Programm der Bundeswehr eine Ausbildung beziehungsweise ein Studium neben der athletischen Karriere, doch ist der polizeiliche Dienst nach der Ausbildung in dem Förderprogramm der Landespolizei verankert. Auch bei der Bundespolizei ist ein mehrwöchiges Praktikum einmal im Jahr vorgeschrieben, dass in die verschiedenen Bereiche bei der Polizei einführt. 

Janine Kohlmann, moderne Fünfkämpferin und Polizeikommissarin für das Land Brandenburg, hat mit uns im Interview die Vorteile der Förderung angesprochen, die aus dieser Verbindung von Sport und Polizei entstehen können.

“Seit 2017 bin ich fertig ausgebildete Polizeikommissarin. Ich finde es wirklich wichtig, dass man noch etwas neben dem Sport hat. Wenn ich zu Hause bin, gehe ich immer wieder zwischendrin arbeiten, um auch was anderes für den Kopf zu machen. Für mich ist es wichtig, auch mal einen Ausgleich zum Sport zu haben und nicht immer nur den ganzen Tag mit den Gedanken beim Sport zu sein.”

Und dieser Ausgleich kommt mit wertvollen Resultaten in beide Richtung. Zu Beginn der Förderung kann man sich auf die polizeifachliche Ausbildung konzentrieren und muss dabei jedoch nicht den Fokus auf den Leistungssport verlieren. Bianca Walter, professionelle Shorttrack Athletin im Förderprogramm der Bundespolizei, bringt den Wert einer solchen Ausbildung im Interview auf den Punkt.

“Ohne ein regelmäßiges Einkommen wäre unsere Sportart auf Dauer zu kostenintensiv und mit Anfang 30 möchte man ungern anfangen, sich einen Job zu suchen oder eine Ausbildung bzw. Studium anzufangen. Für mich war klar, dass ich abgesichert sein möchte und am besten natürlichen mit einem Beruf, der mir Spaß macht. Das habe ich mit der Bundespolizei geschafft und konnte seitdem unbeschwert meiner Sportleidenschaft nachgehen.”
Quelle: Bundespolizei.de


Bianca hat ihre Ausbildung an der Bundespolizei Sportschule Bad Endorf gemacht. Dort werden Spitzensportler im Bereich Wintersport gefördert. An der Bundespolizei Sportschule in Kienbaum wird sich dem Sommer- und Ganzjahressport gewidmet. Bis zu 160 junge und hochtalentierte Sportlerinnen und Sportler werden dort seit 1978 in 18 olympischen Sportarten gefördert.

Julia Ritter, die als Kugelstoßerin und Diskuswerferin in das Programm eingestiegen ist, lobt besonders die Ausstattung und die Trainingsmöglichkeiten in ihrer Polizeisportschule in Kienbaum in hohen Tönen. Diese war über drei Jahre hinweg für mehrere Monate ihr zu Hause während sie die Ausbildung zur Polizeimeisterin durchlief.

“Die Möglichkeiten, die man vor allem auch während der Ausbildung hat, sind schon außergewöhnlich. Kienbaum ist einfach zu hundert Prozent auf den Leistungssport ausgelegt und wir hatten tolle Voraussetzungen für das tägliche Training.”

Seit der Beendigung ihrer Ausbildung lebt die Leichtathletin am Olympiastützpunkt in Wattenscheid und kann sich dort voll und ganz auf ihren Sport konzentrieren. Lediglich 4 Wochen im Jahr müssen die Sportler an eine Dienststelle, ein Praktikum machen. Das ist jedoch auch auf die Wettkampfphasen der einzelnen Athleten abgestimmt.

“Das war absolut die richtige Entscheidung, weil es echt der beste Job ist, den du als Sportler haben kannst. Du hast viel Freiraum zum Trainieren und es gibt echt nichts besseres meiner Meinung nach, gerade für Einzelsportler. Ich bin der Bundespolizei total dankbar, dass sie Sportlern wie mir diese Chance geben.”
Julia Ritter und ihre Kolleginnen bei ihrer Vereidigung in Kienbaum /Quelle: Julia Ritter

Doch nicht nur von guten Trainingsmöglichkeiten profitieren die Sportler in der Förderung durch die Polizei. Für Kim Irmgarz, professionelle Motocross-Fahrerin, stellt das Programm der Landespolizei NRW eine Möglichkeit ihren kostenintensiven Sport überhaupt so professionell ausüben zu können.

“Meine Arbeit ist mein erstes und einziges Standbein. In meinem Sport verdient man kein Geld. Ein WM-Wochenende kostet mich mindestens 500 Euro, wenn es in der Nähe liegt (Deutschland, Niederlande) und die Preisgelder bei der deutschen Meisterschaft sind so gering (maximal 100 Euro), dass man gerade mal sein Spritgeld mit Glück wieder rausbekommt. Ich bin froh, dass ich mal in ein Trainingslager fahren kann oder Mittwochnachmittags für das Training freigestellt werde. Ohne die Polizei könnte ich diesen Sport nicht machen.”

Kim ist bei weitem nicht die einzige, der es im Sport ihrer Wahl so geht. Die Finanzierung scheint oft unmöglich, besonders wenn Preisgelder, die auch mal ausbleiben können, den Kern der Gewinne ausmachen.

Durch die Nähe zwischen Polizeidienst und Athletentum, bietet die Ausbildung bei der Polizei aber auch eine Berufschance für das Leben nach dem Sport. Allein bei der Bundespolizei verzeichnet sich eine beeindruckende "Verbleib-Quote" der Athleten. Etwa 80% setzen im Anschluss an ihre sportliche Karriere auf eine Karriere bei der Polizei. Dabei stehen gute Aufstiegsmöglichkeiten im gesamten Aufgabenspektrum der Polizei offen. Janine Kohlmann sieht sich nach ihrer aktiven Karriere im Leistungssport definitiv im aktiven Polizeiberuf wieder.

“Ich sehe mich auch später bei der Polizei. Ich finde den Beruf sehr interessant. Vor allem gibt es hier auch viele verschiedene Möglichkeiten, was man später machen kann. Das ist wie bei meiner Sportart. Der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Das ist mir wichtig.”

Für den Polizeidienst sind hohe athletische Fähigkeiten im Alltag unumgänglich. Training für den Dienst durch Training für den Sport zu ergänzen ist recht effizient gedacht. Die Ausbildung bei der Polizei bietet einen immensen Vorteil mit Wert zu einer Karriere, die neben und nach dem Sport ein Standbein bietet. Als beliebte Option die Leistungssport Karriere zu ermöglichen wird die Förderung durch die Polizei kontinuierlich erweitert und erlaubt mehr und mehr Athleten den Weg in die Spitzensportwelt, und das hoffentlich noch für viele weitere Jahre. Auch wenn die Anzahl an Mitgliedern begrenzt ist, finden viele Spieler bei der Polizei eine sichere Zukunft.

Mehr Informationen zur Förderung der Bundespolizei und alle Athleten die derzeit in der Förderung sind findet ihr auf der Seite der Bundespolizei.

Mehr Informationen zu den Polizei Förderungen in den einzelnen Bundesländern finden sich auf den jeweiligen Seiten der Länderpolizeien.

Quelle Foto Startseite: Julia Ritter