Simon Rösner: “Ich habe alles auf die Karte Squash gesetzt und es nie bereut.”

Louisa

Er hat seinen Sport in Deutschland im letzte Jahrzehnt dominiert. Simon Rösner kann bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Aber fertig ist der derzeit Weltranglisten 8. noch nicht. Seine Leidenschaft entdeckte der gebürtige Würzburger durch seine Squash begeisterte Familie. So fokussiert er seine Karriere ins Rollen brachte war sein Start in die Welt des Squash aber bei weitem nicht.  

“Zum Squash bin ich gekommen durch meine Eltern und meinen älteren Bruder, die beide auch Squash gespielt haben. Wie das halt als Kind so ist geht man mit und probiert sich selbst darin. Ich muss aber sagen es hat mich nicht von Anfang an gepackt, das ganze. Erst nach zwei bis drei Jahre bin ich wirklich besser geworden und hatte dann erst so richtig Spaß daran. Aber dann hat mich der Sport nicht mehr losgelassen. Besonders die Dynamik und Schnelligkeit. Man kann sich in kurzer Zeit auspowern und das ist was mich fasziniert hat.”

Aus dieser Faszination und Leidenschaft wurde sehr bald mehr. Bereits mit 16 Jahren wagte Simon den Schritt ins Profileben. Bereut hat er den Schritt bis zum heutigen Tag kein einziges mal. Dass dieser Weg nicht immer selbstverständlich ist weiß der Squashspieler und ist dankbar für die Unterstützung die er besonders in den ersten Jahren erhalten hat. 

“Ich hab sehr früh angefangen Squash professionell zu betreiben. Ich hab zum Glück meine Eltern gehabt, die mich immer unterstützt haben und mich auch komplett in der Entscheidung Profi zu werden unterstützt haben. Schließlich geht das nicht ohne finanziellen Background, den hab ich zum Glück gehabt. Ich konnte sagen, ich setz alles auf die Karte Squash und das habe ich bis heute zu keinem Zeitpunkt bereut. Ich würde es genauso wieder machen. Ich bin damals aus der Schule mit 16 raus und direkt zur Sportfördergruppe von der Bundeswehr gekommen. Das war natürlich auch ein wichtiger Punkt, irgendwo ein Einkommen zu haben um die Karriere zu finanzieren. Sicherlich ist es nicht einfach irgendwo Fuß zu fassen als Squasher, es ist leider eine Randsportart und bleibt auch eine. Und natürlich war das gerade mit 16 Jahren kein einfacher Schritt, aber für mich gab es keine Optionen ich wollte das und nichts anderes.”
Er hat alles auf die Karte Squash gesetzt /Quelle: PSA World Tour

Nach der Entscheidung sein Leben komplett dem Sport zu verschreiben ging es für den jungen Sportler nur in eine Richtung. Stetig konnte er sich verbessern und wuchs zu einer nationalen sowie internationalen Größe heran. Dass nicht alles nach Plan läuft weiß auch Simon. Der Squasher hat aber einen Weg gefunden um aus negativen Erlebnissen stärker und frischer hervorzugehen. 

“Den Verlauf meiner Karriere würde ich als stetig nach oben beschreiben. Es gab wenig schlimme Erfahrungen die ich machen musste, keine Verletzungen, bis jetzt fast gar nichts was mich wirklich hätte aufhalten können. Ich habe meinen Körper wohl gut auf die Belastungen durch meinen Sport vorbereitet. Es gibt natürlich immer mal wieder negative Erlebnisse, die habe ich auch im letzten Jahr mal über einen längeren Zeitraum gehabt. Ich habe da relativ viele Sachen hinterfragt und in Frage gestellt. Hinterher muss ich aber sagen war das alles aber auch gut um neue Impulse zu setzen und Neues zu testen.”

Das Tiefs jedoch nicht von großer Dauer in seiner Karriere waren bestätigen seine Erfolge. Auf nationaler Ebene gewann der Squash-Profi von 2007 bis 2017 elfmal in Folge die Deutschen Meisterschaften. Ausgeruht hat er sich jedoch nie darauf, um auch allen Erwartungen gerecht zu werden. 

“Das ist tatsächlich ein toller Erfolg gewesen, elf mal in Folge deutscher Meister zu werden. Ich versuch bei jedem Spiel, egal ob Training oder Wettkampf, alles zu geben, das bestmögliche aus meinem Körper rauszuholen. Ich bin natürlich froh, dass auch Krankheiten oder Verletzungen mich in keinem Jahr in die Verlegenheit gebracht haben, nicht antreten zu können. Aber mein Augenmerk lag schon früh nicht unbedingt auf den deutschen Turnieren, sondern auf den weltweiten Sachen. Ich habe mich auf die deutschen Meisterschaften auch nie so sehr vorbereitet, wie ich es bei anderen Turnieren mache.”
Simon ist in Courts auf der ganzen Welt zu sehen /Quelle: PSA World Tour

Und die intensiven Vorbereitungen auf die internationalen Turniere haben sich bezahlt gemacht. Bei den World Games 2017 gewann Simon Rösner die Goldmedaille und wurde dafür vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als erster deutscher Squashspieler mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Nicht nur für den Sportler selbst eine unglaubliche Ehre. 

“Tatsächlich ist dadurch, dass wir als Squash-Spieler nicht so oft in den Medien vertreten sind, es umso schöner, wenn man vom Bundespräsidenten mit so einer hohen Auszeichnung geehrt wird. Es ist glaube ich die höchste Auszeichnung die es für Sportler gibt. Das war auf jeden Fall ein Riesenerfolg für mich persönlich und natürlich für meinen Sport in Deutschland. Hier und da mal bei Sport1 ausgestrahlt zu werden, diese Medienpräsenz zu bekommen, das war natürlich ein Riesenerlebnis. Ich hoffe, dass Squash in Deutschland auch wieder ein bisschen aus dem Loch herauskommt, vielleicht wie es in den 90er Jahren war. Mal schauen ob ich das noch in meiner aktiven Karriere erleben werde.”

Was er zumindest in seiner aktiven Karriere schon erlebt hat ist der 3. Platz in der Weltrangliste. Damit gehört er zu der absoluten Elite in seinem Sport, auch wenn Deutschland ein vergleichsweise kleiner Fleck auf der Landkarte des Squash ist. Die geringe Präsenz in der Öffentlichkeit und den Medien in Deutschland hat Simon nie aufgehalten an seinen Erfolgsplänen zu schmieden. Dennoch sieht er enormes Entwicklungspotenzial für seinen Sport hierzulande. 

“Natürlich wär es schöner, wenn wir die Massen mit Squash auch in Deutschland ansprechen könnten. In Ägypten ist Squash quasi Nationalsport, ähnlich wie bei uns Fußball, da spielen tausende Kinder Squash. Von da her haben die Sportler dort natürlich einen ganz anderen Stellenwert. Diese Präsenz so hinzubekommen in Deutschland ist schwer. Dass wir es hier nicht mehr so haben wie in den 90er Jahren, liegt wahrscheinlich in den kommerziellen Schwierigkeiten. Für Fitnesscenter-Betreiber ist es eben schwer zu sagen, sie verkaufen den Court der sagen wir mal 60 m² hat für 20-25 Euro, wo man auch gleichermaßen 10 Fitnessgeräte reinstellen könnte. Das ist einfach wirtschaftlich gesehen nicht so lukrativ. Daher kommt denke ich das Problem in Deutschland und ich sehe es auch kurzfristig als schwer daran etwas zu ändern. Klar ist, wenn das ganze wieder einen anderen Trend nehmen würde, würden wir natürlich auch wieder häufiger Squash in den Medien sehen. Mehr Kinder würden es im Fernsehen sehen und sagen, Mama, Papa, ich will auch Squash spielen. So ist es auch in Ägypten. Dort wird Squash auf dem größten Sportkanal ausgestrahlt. Da schauen dann eben mal bei einem Halbfinale 8.000.000 Menschen zu. Dimensionen die nicht mit Deutschland vergleichbar sind.”
"Bei einem Halbfinale schauen in Ägypten eben mal 8Mio. Menschen zu" /Quelle: PSA World Tour

Doch nicht nur die Popularität in der Öffentlichkeit stellt die Squash-Welt vor Herausforderungen. Simons Leidenschaft zählt zu seinem Bedauern nicht zu den olympischen Disziplinen. 

“Es hat sicherlich den Nachteil, dass die Förderung generell im Sport weniger ist als in olympischen Sportarten. Wir versuchen Squash attraktiver zu machen, es beliebter zu machen. Dadurch dass wir auf Eurosport Player alle Spiele bei den großen Turnieren in HD übertragen ist das schonmal ein mächtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen einfach das Produkt Squash besser und attraktiver machen und dann würde ich auch sagen, dass das Thema Olympia irgendwann mal wieder auf dem Zettel steht.”

Auch wenn es natürlich für jeden Squasher ein Traum wäre seine Sportart bei den Olympischen Spielen zu sehen, so konzentriert sich der deutsche Ausnahmespieler auf die nächsten Jahre in seiner aktiven Karriere die noch vor ihm liegen. 

“Mein Ziel ist es in jedem Fall, dass ich noch drei, vier Jahre auf dem Niveau spielen kann. Dann muss ich aber auch sehen, dass es irgendwann auch mal vorbei sein wird. Ich bin jetzt schon fast 33 Jahre alt. Irgendwann zwischen 30 und 35 ist meistens das Squash-Maximalalter erreicht. Das möchte ich natürlich so gut wie möglich ausreizen. Kurzfristig versuche ich mich wieder in die Top 5 zu spielen. Top 3 war ich ja schon einmal. Was darüber noch hinaus geht, lasse ich dann erstmal offen. Da müssen wirklich viele Faktoren zusammenspielen, damit das klappt. Langfristig will ich einfach noch Spaß haben an meinem Sport und verletzungsfrei bleiben. Das ist mir ganz wichtig, was ich ja bislang auch gut geschafft habe. Die Erfolge kommen normalerweise mit dem Spaß und der harten Arbeit die man jeden Tag hinlegt im Training.”

Doch auch wenn sein Fokus noch immer auf dem Sport liegt, gibt es mittlerweile einen zweiten Lebensinhalt für den 32-Jährigen. Seine kleine Familie, die aus seiner Frau und seinem kleinen Sohn Liam besteht. 

“Es ist sicherlich nicht einfach, den Spagat zwischen dem Leben als Familienvater und dem Profisport hinzubekommen. Man will sein Kind ja auch aufwachsen sehen und dementsprechend auch genug Zeit zuhause mit dem Kind verbringt. Aber ich denke da haben wir einen guten Weg gefunden, mit dem meine Frau, mein Kind und ich gut leben können. Ich bin ja zum Glück nie 5-6 Wochen am Stück unterwegs, ich bin immer wieder eine Woche da, eine Woche weg und so weiter. Das ist eine Zeit die man relativ gut noch überbrücken kann, mit FaceTime und Skype und was es sonst noch so gibt.”

So ist die erfolgreiche Karriere des deutschen Squash-Spielers noch nicht zu Ende geschrieben. Und der Mut des damals 16-Jährigen ambitionierten Jungen seiner Leidenschaft zu folgen hat sich in jedem Fall ausgezahlt. 

Bild Startseite Quelle: PSA World Tour