Max Hartung: “Mit Athleten Deutschland sind wir ein Fürsprecher für Athleten”

Louisa

Der Verein Athleten Deutschland setzt sich für grundlegende Veränderungen im deutschen und internationalen Sportsystem ein. “Wir treten ein für fairen und sauberen Sport, frei von Missbrauch und Gewalt”, sagt Max Hartung, Präsident und Gründungsmitglied des Vereins. Im Interview erklärt uns der erfolgreiche Fechter, worum es bei Athleten Deutschland geht.


Max, was für Vorteile hat man als Mitglied von Athleten Deutschland?

Es ist eine Beziehung, die in beide Richtungen geht. Wir profitieren davon, wenn die Sportler uns ihre Anliegen, Wünsche und Sorgen kommunizieren. So haben wir mehr Informationen darüber, wo der Schuh drückt, und wo wir uns mehr engagieren müssen. 

Wenn der Sportler in einer Notlage ist - durch eine Nominierungsentscheidung, die nicht ordentlich kommuniziert wurde, oder eine Auseinandersetzung wegen einer Werbevereinbarung juristischer Art oder ein Streit mit einem Trainer - sind wir erstmal ansprechbar. Das hilft häufig schon. Der Sportler sieht, in dieser ganzen Gemengelage an Institutionen ist jemand für mich da und kann konkret Hilfestellung geben. 

Wir haben für die juristischen Angelegenheiten einen Zusammenschluss von Anwälten mit verschiedenen Spezialisierungen aufgebaut. Die bieten für unsere Mitglieder bei Bedarf eine kostenlose Erstberatung an, so dass man sich eine fachkundige Einschätzung holen kann. Das geht auch komplett anonym.


Wer kann Mitglied werden?

Mitglied werden können die Bundeskader-Athleten aus dem Olympischen, Paralympischen und nicht olympischen Bereich. Die Mitgliedschaft bei Athleten Deutschland ist kostenlos. Je mehr Sportler dabei sind, desto mehr Einfluss haben wir. 


Was hat Athleten Deutschland bisher schon erreicht?

Wir haben uns mit dafür eingesetzt, dass die Athletenförderung erhöht wird. Sie wurde letztlich veranderthalbfacht. An der Rentenförderung für Sportler haben wir uns beteiligt. Das Förderkonzept der Bundeswehr hat sich unter anderem durch unser Einmischen maßgeblich verbessert. Auch juristisch hatten wir einen Erfolg beim Bundeskartellamt, was die Werbemöglichkeiten bei den Olympischen Spielen angeht. Die sind in Deutschland stärker gelockert worden als in jedem anderen Land der Welt. Außerdem sind wir in vielen Gremien aktiv. Wir sind ein Fürsprecher für die Athleten. 


Wer steckt hinter Athleten Deutschland?

Wir haben ein tolles ehrenamtliches Team. Es setzt sich aus aktiven und ehemaligen Sportlern zusammen, aus den verschiedensten Sportarten und bringt dem Verein dadurch viele verschiedene Blickwinkel ein. Ich selbst war anfangs überrascht, wie unterschiedlich die ganzen Sportarten doch sind. Von der Struktur, den Anforderungen in der Organisation, Gesundheit, Leistungsentwicklung, Alter...


Die Präsidiumsmitglieder sind neben mir: 

Marc Zwiebler: Badmintonspieler und bei der Sporthilfe im Aufsichtsrat 

Jonathan Koch: Ruderer und im DOSB-Präsidium 

Amélie Ebert: ehemalige Synchronschwimmerin und im Aufsichtsrat der Nationalen Anti Dopingagentur (NADA) 

Moritz Geisreiter: Eisschnellläufer und Mitglied in der AG Duale Karriere der Stiftung Deutsche Sporthilfe 

Manuela Schmermund: Paralympische Schützen-Athletin und Athletensprecherin Deutscher Behindertensportverband (DBS)

Elena Gilles: Kanupolo-Spielerin und tätig im Bereich “nicht-olympische Verbände”


Außerdem haben wir eine Geschäftsstelle und einen starken Geschäftsführer mit Johannes Herber, der selbst ehemaliger Basketballprofi und Nationalspieler ist. 

Das Präsidium des Athleten Deutschland e.V. (es fehlt Manuela Schmermund) / Quelle: Athleten Deutschland e.V.


Was habt ihr unternommen bezüglich der Entscheidung, ob die Olympischen Spiele 2020 wie geplant stattfinden sollen?

Die Diskussion um die Verschiebung der Olympischen Spiele war tatsächlich eine super schwierige Situation. Ich habe selbst als bei Olympia qualifizierter Sportler meine eigene Meinung kundgetan. Dabei habe ich aber immer versucht deutlich zu machen, dass es verschiedene Stimmen gab, von den Athleten und deren Vertretern bezüglich der Einschätzung der Situation. Es gab auch einige die lange gehofft haben, dass die Olympischen Spiele unter irgendwelche Umständen doch stattfinden können. Deswegen haben wir mit dem DOSB vereinbart, dass es eine Umfrage geben soll unter den Olympiakandidaten und das sollte verbindlich sein für den DOSB. Die Umfrage hat ergeben, dass die meisten sich eine Verschiebung gewünscht haben. 


Zur Person Max Hartung

Zum Fechten kam Max Hartung ganz einfach. “Mir wurde in der Grundschule ein Säbel in die Hand gedrückt.” Aber nicht von irgendwem, sondern von Vilmos Szabo, der inzwischen Bundestrainer ist und noch heute Max Hartung trainiert. “Mit ihm verbinden mich 22 Jahre Leistungssport.”

An Leistungssport oder gar die Olympischen Spiele hatte Max damals aber noch nicht gedacht.  “Das war einfach nur mein Hobby.” Hartung stellte sich mit dem Säbel aber ganz gut an. So kamen Schritt für Schritt die ersten Erfolge in der Jugend. “Es hat alles Spaß gemacht. Ich habe gerne Wettkämpfe gemacht und mich gemessen, aber man hat mir nie ein Gewicht auf die Schulter geladen und gesagt: du musst jetzt zu den Olympischen Spielen.”

2009 gipfelte das Ganze dann darin, dass Hartung nicht nur sein Abitur machte, sondern auch noch die Juniorenweltmeisterschaft gewann. “Als ich 2008 meine Teamkollegen bei den Olympischen Spielen in Peking gesehen habe, kam auch bei mir der Wunsch auf, bei Olympia zu starten.” 

Nach dem Abitur kam Hartung in die Sportfördergruppe der Bundeswehr und konnte sich dann 2012 für die Olympischen Spiele in London qualifizieren. “Und dann bin ich nicht mehr richtig davon losgekommen.”

Max Hartung national wie international erfolgreich im Säbelfechten /Foto: Marinus Veit

Seine größten sportlichen Erfolge waren die Olympiateilnahme 2012 in London (7. Platz Einzel und 5. Platz Mannschaft) und 2016 in Rio (10. Platz Einzel). 2014 wurde er mit seiner Mannschaft Weltmeister und ein Jahr später Europameister. In den Jahren 2017 und 2018 wurde Max Hartung im Einzel Europameister. Seiner inzwischen 3. Olympiade fiebert er derzeit entgegen. Für Tokyo war er bereits qualifiziert.

Neben seiner Sportkarriere absolvierte Max ein Studium der Soziologie, Politik und Wirtschaft in Friedrichshafen. “Ich habe mich also zwischendurch ein bisschen rauskatapultiert von der reinen Leistungssportwelt. Ich wollte auch noch was lernen, andere Sachen sehen und meinen Horizont erweitern.” Dafür ging er weit weg vom Olympiastützpunkt in Dormagen.


Die Geburt von Athleten Deutschland

Gleichzeitig fing Hartung an, sich ehrenamtlich zu engagieren. Erst als Präsidiumsmitglied beim Deutschen Fechterbund, später dann im Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und im Aufsichtsrat der Sporthilfe. “Mich hat von Anfang an interessiert, wie funktioniert das alles um mich rum. Dann bin ich nach und nach, ohne dass ich es geplant hatte, zum Amt des Vorsitzenden der Athletenkommission im DOSB gekommen.” 

Das war auch der Auftakt zu Athleten Deutschland. 

2014 sind mehrere Sachen passiert: Es gab die ersten Berichte zum groß angelegten Staatsdoping in Russland. Parallel wurde die Leistungssportreform angeschoben und es wurde in Deutschland ein Antidopinggesetz eingeführt, was eine Strafverfolgung von deutschen Athleten möglich gemacht hat. “Diese Sachen lagen auf den Schultern der ehrenamtlichen Kommission, von der ich Teil war. Wir haben Nächte durchgemacht, um der gefühlten Verantwortung der Athleten gegenüber gerecht zu werden. Das hat uns sehr belastet. Und das war ein bisschen die Initialzündung, dass wir sagten, das kann nicht sein, dass das auf den Schultern von teilweise noch aktiven Athleten so nebenbei liegt. Für die Anforderungen, die Bedürfnisse der Sportler heute und die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen braucht man eine professionelle Vertretung mit guten Leuten mit Know-How und auch mit Geld.” Das hat dann dazu geführt, dass Max 2017 den Verein Athleten Deutschland mitgründete. Gleichzeitig versuchte der erfolgreiche Fechter mit seinen Mitstreitern, die Politik zu überzeugen, das Projekt zu unterstützen. Heute hat der Verein inzwischen vier Festangestellte und es gibt eine Infrastruktur, die sich darum kümmert, die Situation für Athleten der verschiedensten Sportarten zu verbessern. 


"Noch mehr Sportler die bei Athleten Deutschland Mitglied werden, bedeutet für uns gemeinsam noch mehr Einfluss und Interessenvertretung."  


Mehr Infos über Athleten Deutschland e.V und über die Mitgliedschaft erfahrt ihr auf www.athleten-deutschland.org

Foto Startseite: Sebastian Kortmann