Felix Auböck: “Es wäre die Olympia-Woche gewesen und ich hätte die schnellste Zeit im Jahr gehabt.”

Louisa

Felix Auböck hat in seiner Schwimmer-Karriere bereits einige Distanzen zurückgelegt, und das nicht nur im Wasser. Der Kraulschwimmer ist von seiner österreichischen Heimat bereits früh in seiner Karriere nach Berlin gezogen und hat jetzt ein Sportstudium an einer amerikanischen Universität abgeschlossen. Wie er zu diesem Weg kam erzählt er uns im Interview.

“Ich bin mit sechzehn nach Berlin, weil es in Österreich einfach sehr wenig Konkurrenz gibt. In Berlin habe ich bessere Bedingungen vorgefunden. Ich konnte mein Abitur machen und habe tagtäglich mit und gegen Schwimmer trainiert, die viel schneller waren, als alle in Österreich. Das hat mir persönlich in meiner Entwicklung sehr geholfen.”
Training mit anderen starken Schwimmern ist enorm wichtig. /Quelle: Felix Auböck privat

Zur Zeit seines Umzugs nach Berlin hatte er schon einige Jahre fokussiertes Training hinter sich. Für ihn begann die Karriere im Sport sehr simpel: Mit dem Schwimmunterricht in der Schule.

“Ich bin damals einfach ganz normal in den Schwimmunterricht gegangen und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich weitergemacht habe. Viel Glück war natürlich, dass ich die Unterstützung von zu Hause bekommen habe, diesen Sport auch auszuüben. Natürlich ist das nicht immer so einfach, man braucht Eltern die einen unterstützen und auch überall hinfahren und dieses Glück hatte ich. Meine Mama war auch Schwimmerin, deshalb hat das auch besser funktioniert als es bei anderen vielleicht der Fall ist.”

Mit der Zeit spezialisierte Felix sich auf eine Disziplin, das Kraulschwimmen, in dem er sich einfach am Wohlsten und sichersten fühlte. So wohl tatsächlich, dass er sich bald in Österreich wie ein großer Fisch im kleinen Teich fühlte.

“Ich weiß, dass der Schwimmsport nicht den größten Stellenwert in Deutschland hat, dennoch ist es um einiges größer als in Österreich, Schwimmer haben hier einen Namen. Es gibt einfach viel mehr Bäder, Schwimmfeste, Schwimmvereine, Schwimmunterricht, Konkurrenz. Das ist natürlich das, was man als junger Sportler braucht und das habe ich hier dann auch gefunden.”

Mithilfe des Trainings, das ihm in Deutschland geboten wurde, stieg Felix schnell auf. Bald gelang es ihm an die Spitze seines Heimatlandes zu klettern, wobei er die Rekorde für die Distanzen 200m, 400m, 800m, und 1500m einnahm. Eine solche Bandbreite an Distanzen zu dominieren ist nicht gewöhnlich im Schwimmen, da jede Disziplin eine Expertenklasse für sich ist.

“Es ist natürlich cool, dass ich die österreichischen Rekorde habe. Ich sehe sie aber immer in Relation zur internationalen Weltspitze. Wo bin ich mit meinen Zeiten. In 400m und 800m bin ich am konkurrenzfähigsten. Ich hoffe aber, dass meine Rekorde eines Tages gebrochen werden. Das würde zeigen, dass sich in Österreich etwas weiterentwickelt hat und andere Sportler, die hier sind die Rekorde brechen können.”
Quelle: Marlene Kahler

Mit einer solchen Rekordfähigkeit war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Felix im internationalen Feld mitmischen würde. Nur zwei Jahre nach seinem Umzug nach Berlin schaffte er es zu den Olympischen Spielen.

“Das war natürlich sehr cool sich als Achtzehnjähriger für die olympischen Spiele zu qualifizieren. Ich habe in Rio sehr viel Erfahrung gesammelt. Ich musste lernen mit extremen Drucksituationen fertig werden zu können, was im Sport extrem wichtig ist. Auf allen Strecken hat es für mich nicht unbedingt gut geklappt. Aber auf der 200 Meter Strecke konnte ich einen Österreichischen Rekord schwimmen, das war natürlich ein super Gefühl. Es ist nicht immer einfach gewesen, aber ich finde mit dem Alter kann man sich nicht so hohe Erwartungen bei den Olympischen Spielen setzen, außer man ist natürlich ein absolutes Ausnahmetalent. Ich bin sicherlich talentiert, aber nicht jemand der mit 17 oder 18 eine olympische Goldmedaille gewinnen muss.”

Und Olympia war für Felix auch bei weitem nicht nur ein persönlicher Erfolg. Wie bei den meisten Sportlern, die es zu der dem diesem ganz besonderen internationalen Wettbewerb schaffen, waren die Spiele eine große Chance für seine weitere Karriere.

“Die olympischen Spiele sind das Allergrößte für einen Sportler und plötzlich ist auch ein öffentliches Interesse an uns da. Normalerweise ist das Interesse an einem Sportler nicht so unglaublich groß, aber dann plötzlich häufen sich die Medientermine und Ansprachen vor den olympischen Spielen. Wir müssen diese zwei Wochen extrem gut nutzen, unsere Reichweite erhöhen um in den nächsten vier Jahren nicht wieder vergessen zu werden. Das ist natürlich Schade. Es gibt noch viele andere Leistungen in den vier Jahren, die wichtig sein sollten.”

Das Interesse war jedoch trotz allem sehr hilfreich für Felix. Bald häuften sich neben Presseanfragen auch sportliche Angebote, besonders von amerikanischen Universitäten, die darauf versessen waren, einen olympischen Schwimmer für sich zu gewinnen. Damit kam natürlich auch die Qual der Wahl.

“Man muss sich vorstellen, da ist man 18 Jahre alt, kriegt 20 E-Mails von verschiedenen Universitäten, alle bieten dir das beste, was sie haben und du musst eine Entscheidung treffen, ohne jemals dort gewesen zu sein. Ich hatte zum Glück einige Freunde und Eltern, die auch in den USA studiert haben. Ich hab am Ende meinem Instinkt vertraut, ich wusste, dass Michigan die Universität ist, an die ich schließlich gehen wollte. Ich wusste, dass die Universität akademisch sehr gut ist und aus ihr jedes Jahr viele Langstreckenschwimmer hervorgehen, die dann auch im olympischen Finale sind. Die anderen Universitäten sind natürlich auch alle Weltspitze, aber hier konnte ich einem System vertrauen, das nicht nur mit einer Person etwas geschafft hat, sondern immer wieder Personen rausbringt, die etwas erreichen.”
Die letzten Jahr schwamm Felix für die Universität Michigan /Foto: Felix Auböck privat

Nachdem er bereits die Veränderung von Österreich nach Berlin hinter sich hatte, musste Felix sich jetzt an die Standards in den USA gewöhnen.

“Das Training ist sehr intensiv, es geht immer Vollgas. Es gibt sehr wenig lockere Einheiten oder Regeneration. Es ist immer Wettkampf, Wettkampf, Wettkampf, gegeneinander und im Team, gegen andere Universitäten. Dadurch entsteht auch ein enormer Druck um die Mannschaft, es wird extrem gepusht. Es ist sehr viel Adrenalin drin. Da hab ich auch gelernt an meine Grenzen zu gehen.”

Doch Sport war nicht alles, was Felix in den USA gelernt hat. Einer der Gründe, aus denen er sich für die Universität in Michigan entschieden hatte, war, dass sie auch eine starke akademische Komponente hatte und ihm erlaubte, neben seinem Sport ein reguläres Studium durchzuführen.

“Bezüglich Schwimmen und Studium war es für mich sehr wichtig, dass ich alles zusammen unter einen Hut bringe, für mich war es nie eine Möglichkeit zuerst zu schwimmen und dann vielleicht ein Studium zu beginnen. Ich wollte das immer gleichzeitig machen. Ich denke, dass es möglich ist, dass man sich nicht für eine Sache entscheiden muss und ich denke, das hab ich relativ gut hinbekommen.”

Der Bachelor war auch nicht das Ende. Als Nächstes steht auf Felix’ Plan, nach England zu ziehen und dort einen Master in internationalen politischen und finanziellen Beziehungen zur Fortbildung zu machen.

“Es wird ähnlich wie in den USA sein, dass ich dort Schwimme und mein Studium mache. Das ist mir auch sehr wichtig, dass ich schwimme und studiere, weil dein Leben nicht dadurch entschieden wird, wie dein Training oder deine Universität an dem Tag war. Du hast immer zwei verschiedene Sachen und man kann sich immer auf etwas freuen.”

Dieses Jahr wären für Felix erneut die olympischen Spiele auf dem Plan gestanden. Vielleicht sogar seine letzten, da er mit dem Gedanken spielt, nach dem Abschluss seines Masters wenn möglich in die berufliche Karriere zu starten. Doch diesem Plan wurde vorerst durch die ausgebrochene Pandemie und den Aufschub von Olympia ein Strich durch die Rechnung gemacht.

“Ich hab versucht mit der Situation bestmöglich umzugehen. Ich hatte erst vor kurzem in Budapest einen Wettkampf und bin die 200m Freistil mit neuem österreichischem Rekord geschwommen und die 400m mit der schnellsten Zeit dieses Jahres auf der Weltrangliste. Das war natürlich Schade, es wäre genau die Olympia-Woche gewesen und ich hätte die schnellste Zeit im Jahr gehabt. Ich kann mich eigentlich nur motivieren mit dem Gedanken, dass nächstes Jahr Olympia nochmal diese Situation kommen wird und ich das zeigen kann.”
Quelle: Felix Auböck privat

Doch verschwendet hat Felix die Zeit auch nicht. Zwar war Training unter den Einschränkungen schwieriger doch hat der Schwimmer keine Gelegenheit ausgelassen, im Wasser seine Bahnen zu ziehen, wenn auch weniger als sonst.

“Ich bin aktuell viermal in der Woche im Wasser. Normal bin ich zehnmal in der Woche im Wasser. Irgendwie war es für mich auch so, dass diese Corona-Krise zu einem guten Zeitpunkt gekommen ist. Ich habe meinen Körper nun mal vollständig erholen können und habe jetzt 2 bis 3 Monate wieder sehr gut trainiert und bin Bestzeiten geschwommen in Budapest. Das ist vielleicht nur passiert, weil ich meinem Körper mal eine Pause gegeben habe.”

Trotz der Option, nach dem Sport in die berufliche Karriere zu wechseln, die ihm Bachelor und Master eröffnen, hofft Felix sehr, dass Olympia nächstes Jahr stattfinden kann. Er wünscht sich dasselbe auch für andere Sportler, die vielleicht weniger Optionen zur Verfügung haben, und die zwei Olympiawochen zwingend für ihre Karriere brauchen. Auch wir können nur hoffen, dass die Spiele zumindest unter gewissen Restriktionen nächstes Jahr stattfinden können und das Felix sich erneut mit weiteren Rekorden beweisen kann.