„Die Helden hinter den Athleten –Physiotherapeuten Teil 1“

Louisa

Ohne die Betreuung durch Physiotherapeuten wäre Leistungssport nicht möglich. Unzählige Stunden verbringen Athleten mit ihren Physios. Wir vertrauen ihnen unser größtes Werkzeug für unseren Erfolg an. Unseren Körper. Sie dürfen uns quälen und bereiten uns das ein oder andere Mal Schmerzen, sodass wir uns wünschen wir hätten das Behandlungszimmer nie betreten. Und dennoch schätzen wir ihr Wissen und Können und sind unglaublich dankbar für ihre Arbeit, die auf Wettkämpfen schon einmal bis spät in die Nacht dauern kann.

Wir haben uns mit dem Physiotherapeuten, Osteopath, Heilpraktiker und Ernährungsberater Sascha Weininger getroffen und ihn zu der Arbeit von Physios mit Athleten und der Verantwortung im Leistungssport befragt:

 

„Zuerst ein paar Worte zu dir: Mit Athleten welcher Sportarten hast du durch deine Tätigkeit als Physiotherapeut schon gearbeitet?“

Sascha: „Zunächst einmal vielen Dank für das Interview und das damit verbundene Interesse an unserer Arbeit. Ich arbeite inzwischen seit mehr als 10 Jahren mit Sportlern zusammen. Angefangen hat alles bereits während meiner Ausbildung als ich im Radsport mit dem Jugendteam der Gerolsteiner gearbeitet habe. Schon während der Ausbildung war mir klar, dass ich im Sport und mit Sportlern arbeiten möchte. Nach der Ausbildung ging es dann über verschiedene Stationen wie Triathlon, American Football und Snowboard zum Fußball. Als leitender Therapeut des Nachwuchsleistungszentrums beim VfB Stuttgart war ich auf einmal verantwortlich für mehr als 100 Jugendspieler. Die Krönung war dann der Sprung zum Profibasketball. Die letzten 3 Jahre war ich dann nur noch für die Basketballer der MHP Riesen Ludwigsburg zuständig und konnte Bundesliga –und Champions League-Luft schnuppern. Inzwischen arbeite ich im Athletic Solution Center in Stuttgart am Pragsattel und betreue sowohl präventiv als auch in der Rehaphase die Sportler individuell, um sie entweder auf die Rückkehr zum Sport oder für die nächste Wettkampfphase vorzubereiten. Egal ob Tennis, Beachvolleyball, oder andere Sportarten. Das Klientel ist hier breit gefächert.“

 

„Wie tragen Physiotherapeuten deiner Meinung nach zu den Erfolgen von Spitzenathleten bei? Welche Aufgaben kommen ihnen hierbei zu?“

Sascha: „Man kann die Therapeuten ein bisschen als den medizinischen Manager des Sportlers betrachten. Für den Sportler bedeutet es eine enorme Erleichterung, wenn er weiß, dass er jemanden an der Seite hat den er bei medizinischen Themen kontaktieren kann, um ihm weiterzuhelfen. Ich vergleiche die Arbeit des Sportlers ganz gerne mit einer kleinen Firma, die sich aus verschiedenen Abteilungen zusammensetzt. Training, medizinische Versorgung, Ernährung, Psychologie und Management und für jede dieser Abteilungen gibt es einen Abteilungsleiter. Die medizinische Versorgung wird von uns Physiotherapeuten übernommen. Wir kümmern uns um die Vorbereitung auf Wettkampfphasen, die Nachbereitung (Regeneration), das Management bei Verletzungen und die Betreuung während eines Wettkampfes. Jede Abteilung übernimmt ihre Aufgaben sodass der Sportler sich voll und ganz auf seinen „Job“ konzentrieren und seine bestmögliche Leistung abrufen kann.“

„Athleten erzählen oft von einer starken Beziehung zwischen Sportlern und ihren Physiotherapeuten. Denkst du dieses Vertrauen ist wichtig, um erfolgreich miteinander arbeiten zu können? Und kommen so Physios gerade in intensiven Wettkampfphasen, die mit viel psychischem Druck verbunden sein können auch manchmal Aufgaben außerhalb der reinen physischen Behandlung zu?“

Sascha: „Ohne dieses Vertrauen wäre keine Teamarbeit möglich. Auch abseits des Sport beruhen 60% unseres Erfolges auf der Verbindung zwischen Patient und Therapeut. Was man vor allem im Mannschaftssport, wo mehrere Sportler auf ein paar wenige Therapeuten treffen, immer wieder sieht ist, dass sich Sportler zusätzliche Meinungen einholen, weil ihnen das Vertrauen zur medizinischen Abteilung fehlt. Aus diesem Grund ist eine eins zu eins Betreuung für die Therapeuten wahrscheinlich immer einfacher als die Betreuung einer kompletten Mannschaft.
In Wettkampfphasen kann es immer sein, dass der Therapeut zum „Mädchen für alles“ wird. Wäscheservice, Arzttermiene vereinbaren, Regenerationsmaßnahmen, Apothekerservice sind nur ein paar der Aufgaben, die ein Physiotherapeut übernimmt. Je nach Sportler und nach Sportart kommen viele weitere Aufgaben hinzu.“

 

Den zweiten Teil unseres Interviews mit Sascha in der er uns etwas zum Umgang mit Verletzungen im Leistungssport und der Verantwortung von Physiotherapeuten erzählt findet ihr hier.

Sascha Weininger - der Physiotherapeut, Osteopath, Heilpraktiker und Ernährungsberater arbeitet seit vielen Jahren mit Athleten