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Clara Koppenburg: “Wenn der Körper vor Anstrengung kribbelt”

20. Sep 2020
Wie dieser Artikel entstanden ist

Hinter unseren Inhalten steht eine echte Redaktion aus Menschen. Bei Recherche und Erstellung setzen wir unterstützend KI-Werkzeuge ein. Jeder Artikel wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion gelesen und überarbeitet.

Clara Koppenburg: "Wenn der Körper vor Anstrengung kribbelt" – Porträt einer Radsportlerin

In einem gefährlichen Sport ist es nur umso wichtiger, dass man sich nicht der Angst hingibt. Clara Koppenburg, Radsportlerin und mehrfache WM-Teilnehmerin, weiß das nur zu gut und hat es bisher auch vermeiden können, sich allzu schwer zu verletzen, auch wenn das beim Radsport keine Garantie ist. Tatsächlich bezeichnet sie Radsport als eine der gefährlichsten Sportarten, bereut aber in keiner Hinsicht, sich für diesen entschieden zu haben.

Vom Laufsport zur Leidenschaft Radrennen

"Ich habe schon immer viel Sport getrieben und auch viele verschiedene Sportarten ausprobiert. Vor allem die Laufdisziplinen in der Leichtathletik haben mir Spaß gemacht. Mit 16 hatte ich aber immer wieder Verletzungen, die mich „gezwungen“ haben mit dem intensiven Lauftraining aufzuhören. Mein Papa hat zu dem Zeitpunkt als Arzt in einem Profi-Radteam bei den Männern gearbeitet und mich zu einer Tour nach Colorado mitgenommen. Sofort war ich begeistert von dem Sport. Nachdem er mich auch zu einer Weltmeisterschaft in Italien mitgenommen hatte, wusste ich: Ich möchte auch rennen fahren. Am liebsten einmal an einer WM für Deutschland! Von da an hab ich angefangen zu „trainieren“ mit dem Ziel irgendwann einmal in ein Team zu kommen, bzw. es in die Nationalmannschaft zu schaffen. Schlussendlich ging alles jedoch viel schneller als geplant. Seitdem lebe ich den Traum vieler und konnte meine Leidenschaft zu meinem Beruf machen."

Die Faszination des Radsports

Während ihr Sport über die Jahre für sie immer professioneller wurde, bleibt das Fahrradfahren trotz allem für Clara noch ihre große Leidenschaft und eine faszinierende Disziplin.

"Mich fasziniert die Tatsache, dass ich mit meinem Rad an so viele wunderschöne Orte komme und so viel von der Welt sehe. Sie aber nicht nur sehe, sondern auch „spüre“... den Fahrtwind auf der Haut, die verschiedenen Gerüche und Geräusche... es ist ein anderes Gefühl einen langen Berg aus eigener Kraft befahren zu haben, als mit dem Motorrad oder Auto… Zudem kommt, dass es ein absoluter Teamsport ist, was mir sehr gefällt. Sowohl im Training als auch im Wettkampf. Radsport gehört auch zu den Sportarten, wo man seinen Körper ans absolute Limit bringen und die eigenen Grenzen testen kann. Ich mag das Gefühl, absolut alles gegeben zu haben, wenn der ganze Körper vor Laktat und Anstrengung kribbelt und man völlig außer Atem ist."

Ausdauer, Taktik und die richtige Kraftverteilung im Rennen

Alles zu geben ist im Radsport so eine Sache. Besonders auf der Endgerade ist es nötig, doch auch nahezu unmöglich, wenn man sich seine Kraft nicht gut über das ganze Rennen hinweg aufgeteilt hat.

"Ausdauer und Kraft sind sehr wichtig. Aber auch technische und taktische Fähigkeiten sind im Radrennen entscheidend. Am Ende gewinnt selten die stärkste Fahrerin, wenn man sich das Power Profil anschaut: es gewinnt die Fahrerin, die am wenigsten Energie aufgebracht hat und am Ende dann Smart gefahren ist und noch Energie für das Finale hat. Zudem braucht man eine enorme Selbstdisziplin. Aber das ist bei den meisten Sportarten ja der Fall."

Mentale Stärke als Erfolgsfaktor

Nicht nur Disziplin, Psyche an sich ist für Clara von großer Wichtigkeit. Für sie ist Sport nicht nur körperlich, der Geist spielt eine ebenso schwerwiegende Rolle.

"Die mentalen Fähigkeiten sind bei Radfahren enorm wichtig: zum einen im Rennen, da man ununterbrochen sehr konzentriert sein muss, um keine Fahrfehler zu machen und Stürze so gut es geht zu vermeiden, zum anderen muss man mental stark sein um an sein Limit und über den „Schmerz“ hinausgehen zu können. Auch die Tatsache, dass wir extrem viel unterwegs sind, auf viele Dinge im Alltag verzichten müssen erfordert mentale Stärke!"

Claras sportlicher Werdegang

Claras Karriere beweist das. Der Sprung von der kleinen in die große Liga war für sie recht plötzlich und unzählige Trainingseinheiten und Kilometer hat sie hinter sich gebracht um Schritt für Schritt voranzukommen.

"Am Anfang ging alles sehr schnell, dann habe ich mich über zwei bis drei Jahre kontinuierlich gesteigert und meine Aufgaben in meinem Team immer besser bewältigt. Ich selbst konnte mit jedem Rennen und Jahr etwas weiter bis ins Finale fahren. 2018 habe ich dann einen großen Sprung gemacht. Wie das so plötzlich kam: keine Ahnung. Ich wusste, dass die WM in Innsbruck mir liegen würde und habe nochmals mehr trainiert. Bei eben dieser WM habe ich das erste Mal gesehen, dass ich vorne bei den Besten mitfahren kann. Das hat mich so überwältigt und stolz gemacht und dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Davon will ich mehr und arbeite täglich hart für diesen Traum!"

Radsport als Teamsport

Ihr raketenhafter Aufstieg hat Clara jedoch nicht auf die Solo-Tour geschickt. Anders als es für den Laien vielleicht wirken mag, macht im Rennen nicht jeder Fahrer sein eigenes Ding. Gerade als junge Sportlerin hat man seine fest zugewiesene Rolle in seinem Team, dessen Aufgabe es zu erfüllen gilt.

"Radsport ist eindeutig ein Teamsport! Wir Mädchen würden alles füreinander geben, weil wir wissen es wird eines Tages auch zurückkommen und wenn man seiner Teamkollegin zu einem guten Ergebnis verhelfen kann ist das Gefühl eigentlich genauso schön wie selbst auf dem Podium zu stehen!"

"Wir fahren immer nach einer Renntaktik. Meistens haben wir einen Leader, der von den restlichen Fahrerinnen so lang es geht „beschützt und geschont“ wird bis er dann eben alles geben und die vorab geleistete Teamarbeit zu Ende bringen muss. Ob ich als einzelne Fahrerin mal gerne aus dieser Reihe getanzt wäre und selbst nach vorne gefahren wäre? Ich denke nicht. Ich kann ja meine Leistung auch selbst gut einschätzen und in den Rennen wo ich geholfen habe, war meine Leaderin einfach stärker und auf ein eigenes Ergebnis zu fahren würde dann keinen Sinn machen."

Große Ziele trotz Corona-Herausforderungen

Auch wenn Clara ihre Leistungen bescheiden betrachtet, sind ihre Ziele hochgesteckt. Ohne echten Ehrgeiz ist es schwer als Athlet kontinuierlich aufzusteigen, doch gibt es leider auch vieles, was sich einem komplett unvorbereitet in den Weg stellen kann.

"Eigentlich war mein großes Ziel die WM in der Schweiz dieses Jahr. Seit einem Jahr bereite ich mich darauf vor und freue mich drauf. Leider wurde sie vor 4 Tagen abgesagt wegen Corona. Nun versuche ich neue Ziele zu finden: ein nächstes großes Ziel ist der Giro Italia Mitte September, das größte Etappenrennen für Frauen. Anschließend hoffe ich, dass die geplanten Rennen stattfinden werden und ich noch ein paar gute Klassiker wie Flèche Wallone oder Liege fahren werde. Mein großes Ziel sind natürlich auch die olympischen Spiele nächstes Jahr. Durch Corona ist es recht schwer irgendwas wirklich zu planen und sich voll auf ein Rennen zu fokussieren. Ich denke wir müssen alle etwas flexibel sein und das beste aus der Situation machen. Vor allem ist es wichtig sich nicht runterziehen zu lassen und die Freude am Radfahren nicht zu verlieren!"

Umgang mit Verletzungen und Gefahren im Radsport

Diese Freude hat Clara bis jetzt noch gar nichts nehmen können.

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